VAGE PFÄLZER ODER WAGEMUTIGE PROTESTANTEN?

Mit einem feierlichen Abendmahlsgottesdienst feierten die Godramsteiner Protestant*innen und ihre Gäste am 1. Advent 2018 den 200. Jahrestag der Pfälzischen Kirchenunion. Für die kurzfristig erkrankte Reformationsbeauftragte der Landeskirche, Pfarrerin Mechthild Werner, erinnerte Pfarrerin Eva Weißmann in der Festansprache an den Wagemut unserer  protestantischen Vorfahren. 1818 schlossen sich die bis dahin streng getrennten lutherischen und reformierten Gemeinden in der Pfalz zu einer einzigen Protestantischen Kirche – der „unierten“ Kirche der Pfalz – zusammen. Die Pfälzer Kirchenunion entstand, eine Basisbewegung, denn die Entscheidung in den Gemeinden fiel weitgehend in freier Wahl. Am 16. Januar 1818 unterzeichneten fast alle „Hausväter“ in Godramstein die Vereinigungsurkunde. Im August 1818 legte dann eine gemeinsame Synode in Kaiserslautern die Grundsätze der Gemeinsamkeit in Lehre und Ordnung der pfälzischen Kirche fest.

Am 1. Advent 1818 (29. November 1818)  schließlich  feierten  die  Godramsteiner Evangelischen das erste gemeinsame Abendmahl in unserer Kirche.

Nur was eint, allein die Schrift, sollte fortan gelten: ein mutiges Bekenntnis zu ökumenischer Offenheit, die Vielfalt und Pluralismus anerkennt. Die Predigt im Festgottesdienst hatte Pfarrerin Werner auf den Epheserbrief bezogen: „Seid bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. … Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus.“ Zwei alte Kirchenlieder „Du bist die Liebe“ und „Auf Christen, auf“ erinnerten an das erste gemeinsame Gesangbuch von 1823. In der anschließenden Abendmahlsfeier waren die Gottesdienstbesucher*innen wieder in der Erinnerung vereint mit den Unionsvätern von 1818. Die damaligen Ereignisse zeigten uns,  dass alle bisher scheinbar unüberbrückbaren Lehrgegensätzen – insbesondere im Abendmahlverständnis – friedlich ausgeräumt werden konnten.

200 Jahre später sollte uns dies Mut machen, auch in der immer noch bestehenden Kirchentrennung zwischen katholischen und evangelischen Christen nicht zu verzagen, sondern mit der Kraft des Glaubens fest daran zu arbeiten, die Gegensätze friedlich aus der Welt zu schaffen, ganz besonders im Hinblick auf das gemeinsame Abendmahl aller Christ*innen.         

Erich Steuerwald

 

NEUE PREDIGTTEXTORDNUNG AB DEM 1. ADVENT 2018

In diesen Tagen wurde relativ still ein wenig Kirchengeschichte geschrieben: Die 40 Jahre „alte“ Predigttextordnung hat mit dem letzten Sonntag im Kirchenjahr geendet, mit dem Ersten Advent ist eine neue Ordnung in Kraft getreten. Das heißt: Die für jeden Sonn- und Feiertag vorgeschlagenen biblischen Texte zur Grundlage der Predigt verändern sich. Jeder Sonn- und Feiertag hat ja ein bestimmtes Thema: Entweder erkennt man das am Namen des Tages wie Weihnachten oder Pfingsten oder das Thema ist eher unbekannt wie zum Beispiel an einem 14. nach Trinitatis, an dem es „Dankbarkeit“ heißt.

Ein Thema gibt es immer.

Und jedem Thema sind an jedem Sonntag sechs biblische Texte zugeordnet, von denen einer immer das Evangelium ist, einer aus den Briefen stammt (= Epistel) und mindestens einer aus dem Alten Testament – dazu noch drei weitere, die zum Thema passen. Diese sechs Texte sollen im Laufe von sechs Jahren jeweils Grundlage der Predigt sein. Also wiederholen sich biblische Texte zur Predigt alle sechs Jahre. Nun werden sie neu geordnet. Manche Texte sind nicht mehr vorgesehen, andere Texte kommen hinzu: Es gibt mehr Abschnitte aus dem Alten Testament, auch Psalmen sind nun Predigttexte; es gibt mehr Texte, in denen Frauen eine wichtige Rolle spielen;  manche Sonntage  erhalten Texte, die zum Thema des Sonntags besser geeignet sind. Dazu kommen veränderte Wochenlieder und gelegentlich ein anderer Wochenspruch.

Alles in allem eine deutlich neue Ordnung – die wohl außer Prediger*innen kaum jemand bemerken wird ... Das ist aber nicht schlimm. Viel wichtiger ist, dass die Bibel in ihrer ganzen Fülle dargeboten wird und manche einander ähnliche Texte nicht mehr vorkommen. Dafür aber Texte, die bisher unbekannt waren. Es wird also, könnte man sagen, die Beleuchtung neu geordnet. Und wir hören klarer als bisher, wie Gott an seinen Menschen handelt, wie Menschen sich Gott zuwenden und um was genau der Sohn Gottes uns bittet – und uns zugleich tröstet in den Schrecken des Lebens.

Der Theologe und Dichter Jochen Klepper (1903-1942) hat sinngemäß geschrieben: Das Kirchenjahr ist eine der größten Leistungen des menschlichen Geistes. Dann wollen wir mit allen Kräften dazu beitragen, dass das Kirchenjahr, das immer an einem 1. Advent beginnt, ein wenig im Bewusstsein der Menschen bleibt. Oder anders: Das Kirchenjahr lässt uns Gottes Wort durchbuchstabieren, jedes Lebensjahr probiert es aus!             

Eva Weißmann, Pfarrerin