Tag 88: Mittwoch, 10. Juni 2020

Ich liebe Rituale.

88 ritualeDie Kleinen, die sich im Alltag verstecken. Kaffee am Morgen. Kurz durchatmen bevor man an einer Tür klingelt. Unter der Dusche singen. Ja, ich liebe Rituale. Ich liebe Dinge, die sich immer wiederholen lassen. Die mir vertraut sind, die fast automatisch ablaufen. Die mir Halt und Sicherheit für meinen Tag geben – egal was passiert. Gerade in unstetigen Zeiten.

Meine Lieblingsrituale zeichnen sich dadurch aus, dass ich dabei nicht nachdenken muss. Kopf aus. Nichts tun. Nichts denken. Sich vielleicht nichtmal bewegen. Ich möchte dabei nicht gespannt oder gar angespannt sein. Möchte mich nicht konzentrieren müssen. Möchte mich fallen lassen, gehalten wissen – ganz sanft. Möchte versinken. Mich einhüllen in etwas, das mir vertraut ist.

Ganz oben auf meiner Ritual-Hitliste stehen dabei zwei Dinge: Segen und Gebet. Damit das mit dem „Kopf aus, Herz an“ allerdings wirklich funktioniert, brauche ich Worte, die nicht von mir stammen. Worte, die ich nicht erst neu bilden muss. Ich brauche Worte, von Gott geschenkt. Worte, die ich selbst dann noch sprechen kann, wenn ich mal sprachlos bin. Wenn mir die Worte fehlen. Worte, die meine Lippen automatisch formen. Deren Klang meinen Ohren vertraut ist. Worte, die mein Herz kennt.

Vater unser im Himmel …

Pfarrerin Jasmin Coenen, Albersweiler