Tag 115: Dienstag, 7. Juli 2020

Von Ungeziefer und Unkraut

115 geziefer aIrgendwas hat mich gestochen! Irgend so ein Ungeziefer. Genau zwischen den Schulterblättern, wo man nicht hinkommt, wenn‘s juckt. So müssen sich meine Ururvorfahren gefühlt haben, wenn sie sich an Bäumen schubberten.

 

Ungeziefer. Gibt es eigentlich auch Geziefer? Im Deutschen beinhaltet die Vorsilbe „Un-“ eine Verneinung: Glück – Unglück, Geduld – Ungeduld, Sinn – Unsinn. Dann wäre also ein Ungeziefer die Verneinung von ..., ja was? Eigentlich von Leben. Man spricht diesem Tierchen ab, irgendetwas Sinnvolles zum Leben beizutragen. Das ist nun aber wirklich Unsinn. Denn es hat mich gewiss nicht mit Absicht gestochen, sondern einfach um zu leben.

Wer in der Natur den Schöpfer am Werk sieht, kann nicht mehr von Un-Geziefer oder Un-Kraut sprechen. Ich glaube, es hat seinen Sinn, dass es Geziefer gibt – auch wenn es mich jetzt infernalisch juckt.

Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendiges Getier, ein jedes nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere des Feldes, ein jedes nach seiner Art. Und es geschah so. Und Gott sah, dass es gut war. (1. Mose 1,24+25)

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf