Friedensworte

Krieg in der Ukraine - mitten in Europa. Bomben, Raketen, Explosionen. Kinder, Frauen und Männer in Todesangst. Kinder, Frauen und Männer sterben. Dieser Krieg ist eine Herausforderung und vielleicht auch eine Anfechtung für den Christenmenschen. Alte Denkmuster und Gewissheiten haben ihre Gültigkeit verloren. Hilflos, sprachlos, machtlos - voller Verzweiflung, voller Wut, voller Angst - gelähmt, paralysiert, ins Tiefste getroffen. So geht es vielen. Wir wollen versuchen, dem hier Friedensworte entgegenzusetzen.

  1. 013konf friedenFrieden ist für mich, wenn ...
  2. Ich kann selbst zum Frieden beitragen: ...
  3. Ich finde dieses Friedensymbol gut, weil ...

Mit diesen drei Sätzen gestalten die Konfirmandinnen und Konfirmanden 2022 aus Nußdorf ihren Beitrag zum Konfirmationsgottesdienst am Palmsonntag. Eines ist klar: Die jungen Menschen machen sich viele Gedanken. Gute Gedanken, die es wert sind, dass sie auch hier zu lesen sind. Wir dürfen gespannt sein...

Martin Anefeld

012vergnuegtIch bin vergnügt, erlöst, befreit….

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
(Hanns Dieter Hüsch )

Diese Verse hat ein Freund der Familie meiner Mutter kürzlich an Ihrem 90. Geburtstag vorgetragen. Den Krieg in der Ukraine hatte er dabei durchaus im Blick. Mir tun sie gut. Sie gehen mir in diesen schweren Tagen nicht mehr aus dem Sinn. Die heitere Leichtigkeit der Worte gefällt mir . Es ist von Hoffnung die Rede: Der Hoffnung, dass Gott uns über alle Zeit hält, und wenn nötig auch trägt.

Annette Bernhard


 

011 barlach tröstungTröstung

Wen immer man fragt, was für ihn tröstlich ist, wird sagen: Dass jemand da ist, der mir zuhört, der mich in den Arm nimmt, der Zeit für mich hat, der mich ernst nimmt, der mich einfach sein lässt. Für jemand da zu sein ist mehr, als kurz anwesend zu sein. Trösten braucht Zeit und Bereitschaft, sich auf den anderen wirklich einzulassen. Was er gerade braucht. Viele überlegen im Moment, Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Die wichtigste Regel dabei ist: ihre Bedürfnisse achten. Für sie da sein heißt dann z.B. auch, sie in Ruhe lassen, ihnen Rückzug ermöglichen. Jeder Mensch ist da anders.

Es gehört jedoch auch ein Zweites dazu, wenn Trost mehr sein soll als ein tröstliches Gefühl: dass wir den anderen mit Worten aufrichten. Im Neuen Testament kann „trösten“ auch „ermahnen“ bedeuten. Ganz wörtlich heißt es „entgegenrufen“. Im Deutschen gibt es gar kein richtiges Wort dafür, das „trösten“ und „mahnen“ zusammenfasst. Am besten passt noch „Zuspruch“. Trost braucht immer auch Worte des Zuspruchs; Worte, die den anderen ansprechen; Worte, die für den anderen gesprochen werden; Zuspruch als Fürsprecher sein; Worte, aus denen Taten kommen; Worte die nicht trügen, sondern tragen.

Martin Anefeld

(Bild: Ernst Barlach, Tröstung - Selig sind die Barmherzigen, 1916)


 

010 mandelzweigFreunde, dass der Mandelzweig
Wieder blüht und treibt,
Ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?

Dass das Leben nicht verging,
Soviel Blut auch schreit,
Achtet dieses nicht gering,
In der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg,
Eine Welt vergeht.
Doch des Lebens Blütensieg
Leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig
Wieder blüht und treibt,
Ist das nicht ein Fingerzeig,
dass die Liebe bleibt?

(Schalom Ben-Chorin)

Foto: privat (Kirchgarten Nußdorf)


 

009 auszeichnungAlle Tage

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.

Ingeborg Bachmann

(Foto: pixabay)


 

008 hilfstransportDie Hilfsbereitschaft ist riesengroß!

Am Montag erschien ein Aufruf in der Presse, dass wir im Gemeindehaus Sachspenden für die Menschen aus der Ukraine sammeln. Noch nie hatte ich auf eine Pressemeldung so viele Reaktionen bekommen. Das Telefon klingelte ununterbrochen. Unzählige Aufufe auf dem Anrufbeantworter.

Am Tag darauf kamen die Menschen mit Kartons, Säcken und Koffern voller Lebensmittel, Hygieneartikel und Kleider. Manche fragten nach, was noch gebracht wird und kamen eine halbe Stunde später wieder mit ihren Einkäufen zurück. Andere machten spontan eine Geldspende. Ein Konfirmand kam spontan zum Helfen vorbei.

Neben aller Angst und Sorgen angesichts des Krieges in der Ukraine bin ich begeistert von der überwätigenden Hilfsbereitschaft. Ein Lichtblick in dieser schwierigen Zeit.

Annette Bernhard


 

Subversive Botschaften an den Himmel schreiben. Dazu kann man Flieger auch verwenden.

006 habicht taubeWer gewinnt diesen Krieg? Niemand!

Es verlieren alle.
Die Ukrainer: Freiheit und Leben.
Die Russen: Ansehen und Vertrauen.
Wir: sicher geglaubte Gewissheiten und vielleicht sogar unseren Glauben.

Zu gewinnen gibt es nur die Erkenntnis:
Frieden ist immer gefährdet.
Frieden kostet uns etwas.
Frieden ist eine Errungenschaft.
Um den Frieden muss man ringen.

Suchet den Frieden und jaget ihm.
Jahreslosung 2019; Psalm 34,15

Martin Anefeld

(Photo: pixabay)