Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 319: Mittwoch, 27. Januar 2021

Zeit im Schnee

Tag 319 Zeit im Schnee

Merkwürdig: Warum steht in der Bibel so wenig über Schnee? Wenigstens in der Schöpfungsgeschichte müsste er doch mal erwähnt sein – wenn Gott so etwas Herrliches erfindet – was Kindern so viel Spaß macht. Vielleicht hat Gott den Schnee auch erst später erfunden. Denn es gab schon so viel Wunderbares. Dann sah Gott, dass die Menschen an den meisten Wundern vorbeigingen. Manche wurden zertrampelt, manche übersehen. Manche sogar vertrieben. So auch das größte Wunder von allen: die Zeit. Menschen sahen die Zeit als Gefäße, wollten sie mit möglichst vielem füllen – und merkten nicht, wie sie damit immer mehr Zeit verloren. Zeit, die ihnen immer schneller zwischen den Fingern zerrann, je mehr sie versuchten, sie festzuhalten. Da dachte Gott: Ich muss etwas schaffen, das den Menschen zeigt, wie wertvoll Zeit ist. Und er ließ es schneien. Alle Menschen freuten sich über das weiße Wunder. Die Kinder spielten im Schnee, bauten Schneemänner, malten Schneeengel mit Armen und Beinen - und die Erwachsenen staunten darüber, wie der Schnee langsam, friedlich und leise vom Himmel auf die Erde fiel. Aber immer, wenn sie den Schnee in der Hand hielten, schmolz er. Wollten die Kinder den Schnee abends mit nach Hause nehmen, verwandelte er sich in Pfützen. Wenn es schneite, sagten einige: Übermorgen wollen wir Schlitten fahren. Doch am nächsten Tag war der Schnee schon wieder weg. Der Schnee sollte alle Menschen daran erinnern: was du nicht festhalten kannst, musst du jetzt genießen! Jeder Moment ist einzigartig, denn er kommt nie mehr zurück. Und wenn du einen Schneemann baust, dann hast du verstanden, was Zeit ist: Wunderbar.

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler

 

 

 


Tag 318: Dienstag, 26. Januar 2021

Eine kleine Weile noch ...

Tag_318_Kleine_Weile

„Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, dann soll der Libanon fruchtbares Land werden…“.


Worte, mit denen der Prophet Jesaja einen wunderschönen Traum von Frieden und Versöhnung zu malen beginnt (Jesaja 29, 17-24). Außen- und innenpolitisch befindet sich das Land in einer schweren Krise. Jesaja sieht die Probleme und spürt sie am eigenen Leib. Aber er hält an seinem Traum fest. Denn nur das kann wahr werden, was man auch träumen kann. Jesaja weiß, dass Krisen einfacher überwunden werden, wenn Ziele formuliert sind. Dann werden auch die Wege klarer, die aus der Krise führen.
Gute Worte hören, warmes Licht sehen, Lebensfreude neu entdecken, gewaltfrei leben, einüben, was Recht ist, das sind für Jesaja traumhafte Ziele. Nicht nur für ihn.
Mitten im Lockdown ein Traum. Gemeinsam wandern und tanzen, Konzerte besuchen und Schwimmbäder, Gottesdienste feiern und singen, Enkel besuchen und Menschen umarmen…
Es wird nicht kalt und frostig bleiben. Dann wird wieder zum Vorschein kommen, was noch bedeckt ist.
Wohlan, kleine Weile, dann…

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt

 

 


Tag 317: Montag, 25. Januar 2021

Der schwarze Kreis

Tag 317 Kreis

Ein Professor teilt seinen Studierenden ein weißes Blatt mit einem Punkt aus und bittet sie auf die Rückseite aufzuschreiben, was sie da sehen. Am Ende der Stunde überfliegt er die Ergebnisse und sagt dann: " Alle haben über den schwarzen Punkt, seine Position in der Mitte, sein Größenverhältnis und so weiter geschrieben. Aber niemand hat etwas über den weißen Teil des Blattes vermerkt."

Geht es uns in der Krise nicht auch so, dass wir all den traurigen und schlechten Auswirkungen viel Aufmerksamkeit schenken? Manchmal habe ich das Gefühl richtig lethargisch und gelähmt zu sein. Das kirchliche Leben ruht fast ganz, wir können nicht verreisen, können keine Feste feiern und vermeiden persönliche Kontakte.

Aber ist in dieser zugegeben schwierigen Phase, die wir durchleben, nicht dennoch Helles zu finden? So wie ganz viel weiße Fläche auf dem Bild zu sehen ist. Wir können unsere Wahrnehmung trainieren, damit wir das Gute und Schöne nicht übersehen:

Ein ungewöhnlich langes Gespräch mit einer Freundin oder ein ausgedehnter Spaziergang im Wald, für den in normalen Zeiten keine Zeit wäre. Was war denn gestern schön ? Worüber kann ich mich heute freuen?

 Gott, schenke mir ein waches Bewusstsein für den Reichtum meines Lebens.
Ich danke dir für alles, was mein Leben lebenswert und schön macht. Amen

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Annweiler / Hofstätten

 


Tag 316: Sonntag, 24. Januar 2021

Bitte Lachen!

Es ist gesund und entspannt. Und: Es ist auch in diesen Tagen zu sehen und zu hören – Gott sei Dank!

Trotz Mund-Nasen-Schutz kann ich es in den Augen meines Gegenübers sehen – ein Lächeln, wenn es von Herzen kommt. Durch die dichteste FFP2-Maske kann ich es hören – ein echtes Lachen. Sogar am Telefon steckt es an. Selbst das kleinste Lächeln kann ich hören, in der Stimme am anderen Ende des Hörers. Ob ein Lächeln oder Lachen: Beides tut gut. Beides bleibt nicht nur bei demjenigen, von dem es ausgeht.

In der Kirche ging es leider schon viel finsterer zu – so ganz ohne Lachen. Grund dafür: An keiner Stelle der Bibel wird erzählt, dass Jesus gelacht hat. Aber mal ehrlich: Bierernst war es wohl kaum bei der Hochzeit zu Kanaa, wenn schon der ganze Wein leer war und Jesus deshalb Wasser in Wein verwandelt. Und wenn Jesus von fröhlichen Festen erzählt, von Umarmungen bei der Heimkehr des verlorenen Sohns, dann hat er ganz sicher dabei gelächelt.

Kurzum: Ich bin mir sicher – Gott will, dass wir Grund zur Freude haben. Und Freude drückt sich nunmal ganz wunderbar in einem Lachen aus.

Also: Heute bitte nicht zum Lachen in den Keller gehen, sondern raus auf die Straße. Denn: Heute ist ganz offiziell der Welttag des herzhaften Lachens. Wenn Sie heute um 13:24 Uhr auf die Straße gehen und herzhaft lachen, dann geht Ihr Lachen – zusammen mit vielen anderen – einmal rund um die ganze Welt.

Wo Glaube ist, da ist auch Lachen. (Martin Luther)

Pfarrerin Jasmin Coenen, Albersweiler

 


Tag 315: Samstag, 22. Januar 2021

Flexibilität

Tag 316 Flexibilität

In unserer Zeit gibt es ein paar Dinge, die nicht mehr wegzudenken sind: Autos, Smartphones. Allgemein spielt Technik in vielen Bereichen eine große Rolle. Technik die sich fortlaufend verbessert. Geräte, die am laufenden Band Updates bekommen und wir die Nutzer, die wir uns mit dem Neuem auseinandersetzen dürfen bzw. müssen. Ähnlich sieht es auch am Arbeitsplatz aus. Über Jahrzehnte die gleiche Tätigkeit auszuüben, entspricht den meisten Berufsbildern nicht mehr. Flexibilität ist gefragt, lebenslanges Lernen und die Bereitschaft sich weiterzubilden. Es gibt Stimmen in der Gesellschaft, die dies kritisch sehen. Die Flexibilität und Veränderungsbereitschaft als Negativfolgen des Kapitalismus ansehen. Denken Sie an Zeitarbeitsverträge, an Befristungen und mangelnde Planungssicherheit. Doch allein ein Produkt der Moderne ist es nicht, wenn es auch unschöne Auswüchse und Formen annimmt. Schon vor Jahrtausenden wurden Menschen in allen Lebenslagen und jenseits von jugendlichem Elan dazu aufgefordert flexibel zu sein:


Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, […] Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt. 1. Mose 11,4


Mit 75 ein Umzug in ein neues Land ... spannend, ob ich das könnte.


Jesus: Folge mir nach! Und er verließ alles, stand auf und folgte ihm nach. Lukas 5,27f

Bei aller Flexibilität, die das Leben heute fordert, auch unser Glaube fordert es flexibel zu sein. Flexibel im Denken, im Reflektieren: Macht das eigentlich gerade Sinn? Bringt es mich oder bringt es unsere Gemeinschaft irgendwie weiter? Ist das im Sinne der Liebe, die Gott ist, die Jesus verkündet, die wir leben sollen?

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Böchingen

 


Tag 314: Freitag, 21. Januar 2021

Erstaunlich

Tag 314 Erstaunlich

Eine Grundschülerin geht mit ihrer Mutter durch die Stadt. Plötzlich hält das Mädchen inne, bleibt stehen und schaut. Die Mutter ist ungeduldig, will eigentlich weiter und drängt. Da sagt das Mädchen: „Aber Mama! Guck doch mal!“, und ihr Finger zeigt auf ein blau-weißes Hausnummernschild in der Auslage eines Antiquariats: „Guck doch mal: diese wunderschöne 314!“ Was für eine Entdeckung! Das Kind, seit kurzem erst der dreistelligen Zahlen mächtig, hat die Schönheit der großen weißen Hausnummer auf dem blauen Emailleschild erblickt und kann sie in ihrer vollen Länge entziffern: dreihundertvierzehn. Was für eine Zahl!

Ja! Genau so geht das mit dem Staunen: Wir halten inne und sind plötzlich ergriffen von etwas, das uns wunderbar, gut, eben erstaunlich erscheint. Heute lesen Sie die 314. Gut-Tu-Nachricht. Sie staunen? Ja! So weit sind wir miteinander schon gekommen! Und Sie kennen ja inzwischen mein Faible: Die 314 im Gesangbuch? Das ist quasi Zukunftsmusik. Von daher für heute vielleicht: „Bis hierher hat mich Gott gebracht durch seine große Güte, bis hierher hat er Tag und Nacht bewahrt Herz und Gemüte, bis hierher hat er mich geleit´, bis hierher hat er mich erfreut, bis hierher mir geholfen.“

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein


Tag 313: Donnerstag, 21. Januar 2021

Homeschooling

313 a homeschoolingEs gibt ja Dinge, die lernt man in diesen Corona-Zeiten. Einhändig die Maske aufziehen, mit dem Ellenbogen Desinfektionsspender bedienen, mit beschlagener Brille auf dem Markt das Obst begutachten ... das gehört noch zu den leichteren Übungen.

Ich habe mir aber richtig Schweres vorgenommen, nämlich zu lernen, in jeder Situation noch das Positive zu entdecken. Meine neueste Entdeckung: dank Homeschooling kann ich wieder rasend schnell rechnen. Addition und Subtraktion im 100er-Raum, das 1x1 hoch und runter ... das muss flott gehen und absolut verlässlich richtig sein, sonst gibt's Ärger mit dem lernenden Kind.

Ich habe gelernt, vom Großen auf das Kleine zu schauen. Die kleinen Dinge, die kleinen Erfolge, die kleinen Hoffnungen helfen im Moment mehr als ein großes Wünschen, das unerfüllt bleibt.

Das ist gut biblisch. Ein Glaube so winzig wie ein Senfkorn reicht aus. Und du kannst Berge versetzen.

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf