Tag 158: Mittwoch, 19. August 2020

Makaber 

Der Terrassenbau in Schramberg. Er ist sehenswert. Industriearchitektur, die sich an Schwarzwälder Berge schmiegt. In den Gängen und Etagen des Terrassenbaus gibt es ein ebenfalls sehr sehenswertes Uhrenmuseum. Es bietet einen Überblick von den Anfängen der Uhrmacherei bis in die Gegenwart.

 

Was kann man da nicht alles bewundern: Schlichte Zifferblätter, von bekannten Designern gestaltet. Aufwändig geschnitzte Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald, die noch vor dem Tourismusboom entstanden sind. Musikuhren, Pendeluhren und jede Menge Motivuhren, oft mit Motiven aus der Bibel.

Wenn man durch die Gänge des Museums schlendert, tickt es überall. Akustisch wird man darauf aufmerksam gemacht, dass die Zeit vergeht. Doch wie macht man Vergänglichkeit sichtbar?

Auf einer sehr alten Uhr wird gezeigt, wie Johannes, der Täufer enthauptet wird. Krass! Was haben sich die Gestalter der Uhr dabei gedacht? „So schnell geht’s?“ Ich möchte mir die Uhr nicht ins Wohnzimmer stellen, auch, wenn sie historisch wertvoll ist.

Wobei es gut tut, die Vergänglichkeit zu bedenken. In Psalm 90 steht dieser berühmte Vers, der auch makaber beginnt, der aber, vom Ende her gelesen, Sinn-voll und Ziel-führend ist:
„Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt