Tag 193: Mittwoch, 23. September 2020

Vielfalt 

193 Pfannen und Töpfe 1In unseren kirchlichen Kindergärten wird vor dem Essen gebetet. Von „für dich und für mich ist der Tisch gedeckt, hab dank lieber Gott, dass es uns jetzt schmeckt“ über „für Spaghetti lang und schlank, sag ich meinem Schöpfer dank, ebenso für die famose, leckere Tomatensoße“ ist alles dabei. Ich bin ja mit dem Klassiker „komm, Herr Jesus, sei du unser Gast, und segne uns, und was du uns bescheret hast“ aufgewachsen. Ja, die Vielfalt ist groß! Vielleicht spricht Ihnen auch dieses alte Tischgebet aus dem Herzen? Es wird Teresa von Avila zugeschrieben: 

 

Herr der Töpfe und Pfannen, ich habe keine Zeit, eine Heilige zu sein
und Dir zum Wohlgefallen in der Nacht zu wachen,
auch kann ich nicht meditieren in der Morgendämmerung und im stürmischen Horizont.
Mache mich zu einer Heiligen, indem ich Mahlzeiten zubereite und Teller wasche.
Nimm an meine rauhen Hände, weil sie für Dich rauh geworden sind.
Kannst Du meinen Spüllappen als einen Geigenbogen gelten lassen,
der himmlische Harmonie hervorbringt auf einer Pfanne?
Sie ist so schwer zu reinigen und ach, so abscheulich!
Hörst Du, lieber Herr, die Musik, die ich meine? Die Stunde des Gebetes ist vorbei,
bis ich mein Geschirr vom Abendessen gespült habe, und dann bin ich sehr müde.
Wenn mein Herz noch am Morgen bei der Arbeit gesungen hat,
ist es am Abend schon längst vor mir zu Bett gegangen.
Schenke mir, Herr, Dein unermüdliches Herz, dass es in mir arbeite statt des meinen.
Erinnere mich an alles, was ich leicht vergesse; nicht nur um Treppen zu sparen,
sondern, dass mein vollendet gedeckter Tisch ein Gebet werde.

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein