Tag 200: Mittwoch, 30. September 2020

Jederzeit Schönheit

Gibt es absolute Schönheit? Also etwas, was jeder Mensch schön findet, losgelöst von seiner Herkunft, seiner Sprache, seiner Kultur? Darüber haben sich Philosophen seit der griechischen Antike den Kopf zerbrochen. Ich halte mich lieber an die Alltagsweisheit: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“

 

Wenn man das bedenkt, heißt das im Umkehrschluss: Es gibt eigentlich auch nichts absolut Hässliches. Auch das liegt im Auge des Betrachters. Und das ist doch enorm entlastend, oder? Da dürfen mich eine vermeintlich zu große Nase, zu abstehende Ohren, zu struppige Haare nicht runtermachen.

Ich entdecke viel lieber Schönheit auf den zweiten Blick. So eine verblühte Sonnenblume zu Beispiel. Es mag Leute geben, die dem Sommersonnengelb nachtrauern, die sich zurück nach Licht und Wärme sehnen, die trübsinnig werden, weil alles vergeht. Ich versuche viel lieber zu sehen, was Gott auch hier an Schönem eingezeichnet hat.

„Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit.“ (Pred 3,11)

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf