Tag 202: Freitag, 2. Oktober 2020

Wetter, Stau und andere Widrigkeiten

Langsam ist es wieder so weit. Die Klagen über das Wetter werden lauter. Letzte Woche der Kälteeinbruch, diese Woche der Neben, der Regel usw. Fast schon wie eine eingespielte Choreografie hört es sich an. Jedes Jahr das gleiche. Und doch ist es so sinnvoll, wie sich über den Berufsverkehr Werktags zu beschweren oder die lange Schlange beim Supermarkt, die natürlich allein bei mir so langsam vorwärtskriecht.

 

Grundsätzlich lässt sich natürlich streiten wie sinnvoll Gespräche übers Wetter, Stau oder das Warten sind. Manchmal so scheint es mir, muss der eigene Dampfkessel etwas Luft ablassen. Und doch, auf Dauer und mit zunehmender Übung scheint mir das Motzen, das Murren, diese Unzufriedenheit wenig Positives zum Leben beizutragen. Der Mediziner und Kabarettist Dr. Eckard von Hirschhausen hat das Motzen mit einem faulen Apfel verglichen:

„Das Böse hat eine große Kraft. Legt man einen faulen Apfel in eine Kiste guter Äpfel, passiert folgendes: Alle guten Äpfel werden faul. Legt man hingegen in diese Kiste verdorbener Äpfel einen guten, werden mitnichten die faulen wieder gut, sondern der einzig gute auch noch faul.“ (Dr.med. Eckhart von Hirschhausen, Glück kommt selten allein ..., Hamburg 2011, S.89)

Dagegen steht die Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber all den kleinen und großen Dingen, die uns in unserem Alltag begegnen. Wie so oft, der Blickwinkel, die Einstellung ist entscheidend.

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Böchingen