Tag 206: Dienstag, 6. Oktober 2020

Bilder von mir

Das soll ich sein? Es gibt Bilder von mir, da kann ich nicht glauben, dass ich das bin. Zum Beispiel die Bilder, die meine Kinder malen – und mir dann unter die Nase halten und sagen: Kuck mal Papa. Das bist Du!

 

Da gibt’s zum Beispiel viele Bilder, wo ich nur aus einem großen Kopf bestehe. Und an dem Kopf sind Arme und Beine dran – ein richtiger Kopfmensch. Ohne Bauch. Und ich gebe zu: Das trifft‘s manchmal ganz gut, weil ich oft wirklich ein Kopfmensch bin.

Seit neuestem malt meine Tochter Bilder, auf denen sie sich sehr viel Mühe gibt, eindeutige Erkennungsmerkmale hervorzuheben: Meine Frau erkennt man gut an den langen Haaren. Meine Tochter erkenne ich daran, dass sie meist eine Krone aufhat – wie eine Prinzessin. Und ich habe als Erkennungszeichen einen dicken Bauch. Eigentlich bin ich ein großer runder Bauch mit einem kleinen Kopf und Striche als Arme und Beine.

Naja, aus der Perspektive meiner Tochter, so auf Bauch-Höhe, kann ich mir schon vorstellen, dass mein Bauch etwas prominenter wirkt. Wie dem auch sei: Bilder von Kindern haben etwas erfrischend Ehrliches, oder? Denn sie malen, wie die Welt auf sie wirkt.

In der Bibel steht: Wer die Welt nicht mit den Augen eines Kindes wahrnimmt, der wird auch den Himmel nicht sehen.
Darum glaube ich, die Bilder von meinen Kindern helfen mir, die Welt besser zu sehen. Und mich auch. Den Himmel sowieso. Ein himmlisches Sehtraining!

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler