Tag 214: Mittwoch, 14. Oktober 2020

Kompliment für einen Hornochsen

Tag 214_Hornochsen

„Du Hornochse!“ Das ist eine Beleidigung – für sture Menschen. Hornochse deshalb, weil er angeblich unsensibel ist, grob, unflexibel und einfach dickköpfig. „Wie wenn ich einem Ochsen ins Horn petze!“, kommt oft nach als Erklärung hinterher. Das stimmt: Der Ochse spürt seine Hörner nicht. Und das ist gut so. Denn die Hörner sind natürlich auch dazu da, andere nicht so nah an sich ran zu lassen.


Aber warum muss „Hornochse“ eine Beleidigung sein? Er war doch Jahrhunderte lang der wichtigste Mitarbeiter des Menschen. Er hat das Feld gepflügt, das Korn gedroschen - und er war unersetzlich mit seiner Kraft und seiner Geduld. Wer keinen Ochsen hatte, war arm dran.


Sogar Gott macht dem Hornochsen ein Kompliment! In der Bibel steht: „Ein Ochse kennt seinen Herrn.“ (Jesaja 1,3) Das heißt: ein Ochse ist treu und ein sehr hilfsbereites Tier. Darum ist er auch in unserer Weihnachtskrippe dabei – als Heizung und Bodyguard. Außerdem: Ein Ochse vergisst nicht. Er wird zwar oft als eigensinnig und dickhäutig wahrgenommen. Aber er kann eine Menge tragen und ertragen. Und seine Hörner hat er genau deswegen – damit niemand seine Geduld und Hilfsbereitschaft ausnutzt.


Bei manchen Menschen ist das übrigens genauso: Auch wenn jemand auf den ersten Blick dickhäutig und unsensibel wirkt, verbirgt sich dahinter oft ein treues und hilfsbereites Wesen, das viel ertragen kann. Vielleicht habt ihr Glück und trefft bald mal wieder einen. Dann macht ihm doch mal ein Kompliment!


Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler