Tag 217: Samstag, 17. Oktober 2020

Einsehen

217 worldpeaceDa muss ich mich verhört haben. Verstört flitze ich vom Radio an den PC. Leider nein: In der Pressemeldung ist es schwarz auf weiß zu lesen: 400 Polizisten haben bei einem Großeinsatz in Süddeutschland 17 Wohnungen und ein Waldstück durchsucht. Der Einsatz richtete sich gegen eine Gruppe Menschen, die bewaffnet und in Wehrmachtsuniform im Wald Krieg gespielt haben sollen.

 

Ja geht´s noch? Gibt es nicht sowieso schon viel zu viele schlimme Nachrichten aus aller Welt? Ich kann es nicht fassen und stelle fest: Nicht selten brauche ich einfach ein bisschen Utopie. Eine Vision von einer menschenfreundlichen Welt. Wie heißt es bei Jesaja? Und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Oder wie es diese Geschichte erzählt: Als der Krieg zwischen zwei benachbarten Völkern unvermeidlich schien, schickten die Feldherren beider Seiten Späher aus, um zu erkunden, wo man am leichtesten beim Gegner einfallen könnte. Wieder zurück berichteten die Kundschafter jeweils dasselbe: Eine einzige Stelle an der Grenze sei geeignet. „Dort aber“, so sagten sie, „wohnt ein braver Bauer in einem kleinen Haus mit seiner anmutigen Frau. Sie haben einander lieb, ein Kind, und es heißt, sie seien die glücklichsten Menschen der Welt. Wenn wir nun über dieses Grundstück marschieren, dann zerstören wir das Glück. Also kann es keinen Krieg geben.“ Das sahen die Feldherren ein und der Krieg unterblieb, wie jeder Mensch begreifen wird.

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein