Tag 239: Sonntag, 8. November 2020

Verloren im Pfalzerwald

Tag_239_Pfälzerwald

Zwei Wochen Ausbildung im Predigerseminar liegen hinter mir – mit Programm rund um die Uhr. Erschöpft begann ich das Wochenende. Eigentlich stünde der Haushalt an: putzen, Wäsche zusammenlegen, aufräumen und kochen. Allein der Gedanke daran machte mich trübselig. Daher bin ich aus der Hektik ausgebrochen und habe mich doch für eine Wanderung im Wald entschieden. Ein paar Stunden ohne Haushalt, Verpflichtungen und Menschen um mich herum. Das Ziel war klar: der „Ungeheuersee“, eine ehemalige Viehtränke, gespeist aus Quellen des Pfälzer Waldes.

Die Natur war wundervoll: Raschelnde Blätter auf dem Weg, Fliegenpilze unter den Bäumen und der Waldgeruch ließen mich allmählich zur Ruhe kommen. Und doch ging ich nach zwei Stunden Wanderung verloren. Es gab keine Beschilderungen mehr, nur Wegbiegungen, die nicht auf meiner Karte eingezeichnet waren. Der Hunger kam und so entschied ich mich einfach bis zur nächsten Lichtung zu wandern, um in der Wärme der herbstlichen Sonnenstrahlen mein Brötchen zu essen. Doch dazu kam es nicht. Genau neben der Lichtung sah ich das nächste Wegzeichen. So fand ich endlich den „Ungeheuersee“ und aß dort genüsslich. Ich musste dabei an diesen Psalmvers denken: „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht.“ (Ps 36, 10). Es kommt mir wie eine Wanderanweisung vor: Weiter in Richtung Quelle wandern und sich dabei nach dem Licht orientieren. Für den Fall, dass ich mich wieder im Wald verirre, in trüben Gedanken versinke oder in der Alltagshektik verloren gehe: Gott ist meine Quelle und mein Licht. Wie ist das bei Ihnen?

Vikarin Almendra García de Reuter /Landau-Godramstein