Tag 241: Dienstag, 10. November 2020

Kinder des Lichts

241 KirchenfensterMichael geht mit seiner Mutter in die Stadt. Unterwegs kommen sie an einer großen, stattlichen Kirche vorbei. Der Junge schaut an ihr hoch und meint: „Mama, die Fenster sind aber ziemlich dreckig. Die sehen überhaupt nicht schön aus.“ Wortlos nimmt die Mutter ihren Sprössling bei der Hand und geht mit ihm in die Kirche hinein. Hier leuchten die Fenster, die von außen grau und schmutzig waren, plötzlich strahlend bunt in allen Farben. Michael ist total begeistert! Zusammen mit seiner Mutter erkennt er in einem der Fenster, durch das die Sonne hindurchscheint, den Heiligen Martin, wie er gerade seinen Mantel teilt. Am nächsten Tag hat Michaels Klasse Reli-Unterricht. „Kann mir jemand sagen, was ein Christ ist?“, will der Lehrer wissen. Allgemeines Schweigen. Nur Michael reckt den Finger in die Höhe: „Ein Christ, das ist ein Mensch, durch den die Sonne scheint.“ Schöner kann man es wohl nicht ausdrücken. Auch wenn wir nicht der Heilige Martin sind, so soll doch gelegentlich auch durch uns die Sonne scheinen und es heller werden auf der Welt! Wie heißt es im Epheserbrief? „Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit“ – vielleicht gerade jetzt im November!

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein