Tag 249: Mittwoch, 18. November 2020

Geschichte

Seit 1995 ist der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag Geschichte. Schade, gibt es doch eine schöne Geschichte, die davon erzählt, wie gut uns dieser Tag im zu Ende gehenden Kirchenjahr tun kann:

In ihr wird von einem Streit zwischen Sturm und Sonne erzählt, und zwar darüber, wer von beiden wohl der Stärkere ist. Sie machen Folgendes aus: Wer einen Wanderer dazu bringt, seinen Mantel auszuziehen, der ist der Stärkere. Zunächst war der Sturm dran. Er blies und tobte heftig. Aber je energischer er all seine Kraft zusammennahm, desto mehr hüllte und wickelte sich der Mann in seinen Mantel. Dann zeigte die Sonne ihre Kunst und Sie ahnen es schon: Sie strahlte still und heiter, so dass es dem Wanderer warm und wohl ums Herz wurde, und er zog gern und wie von selbst seinen Mantel aus, der ihm überflüssig geworden war.

Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet“, schreibt Paulus, weil Buße tun für ihn eben nichts mit Zwang und Angst oder dem vermeintlich griesgrämigen Charme des November zu tun hat, sondern weil es bedeutet, dass wir etwas ablegen dürfen und es uns wieder warm und wohl ums Herz werden kann. Heute ist Buß- und Bettag. Ein Tag, um innezuhalten. Ein Tag, ja, um mich Gott hinzuhalten, dass er mich ansieht, das Gute, aber eben auch das weniger Gute, auf dass ich ablegen kann, was mich belastet.

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein