Tag 265: Freitag, 4. Dezember 2020

Vom Warten

265 warten gif 1Warten aufs Christkind. Warten auf den Impfstoff. Warten, dass das alles endlich vorbei ist.

Durchschnittlich 374 Tage seines Lebens verbringt der Mensch mit Warten: an der Ampel, am Automaten, im Stau, beim Arzt, an der Kasse. Sogar der Computer, der alles schneller machen soll, verlangt pro Jahr 156 Stunden an Warterei. Da tut sich nichts, man erlebt nichts. Noch nicht einmal als Erholungspause taugt dieses Warten. Zeitvergeudung. Erfüllte Zeit sieht anders aus. 

 

Warten muss man können. Warten ist eine Kunst.

Kann sein, dass uns diese Auskunft nicht reicht. Wir wollen wissen, wie lange wir warten müssen. Wir wollen wissen, wann es endlich so weit ist. Bei Weihnachten steht das fest: noch 20 Tage. Aber bei all dem anderen? Wie lange noch, bis wir wieder normal leben können? 

Der Sinn des Wartens liegt im Ziel. Und das muss irgendwie am Horizont sichtbar sein. Irgendwie müssen wir das Gefühle haben, das Ziel erreichen zu können. Ich habe dieses Gefühl. Hoffnung nennen es andere. Und dann ist das Warten nicht leer, sondern wird zur Er-Wartung, erfüllte Zeit.

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf