Tag 279: Freitag, 18. Dezember 2020

Wie immer: ein Stall voller Probleme

Alle reden immer davon, was alles anders ist wegen Corona. Dabei ist das meiste wie immer! Wir haben wieder einen Adventskranz; wir dürfen die Kerzen sogar anstecken. An den Türchen vom Adventskalender sind keine Masken-Hinweisschilder. Hier gilt nur: Es ist Schokolade drin. Wie immer.

Und wir haben eine Weihnachtskrippe – die ist aber noch leer, Maria und Josef sind noch auf dem Weg, aber wenn sie in Bethlehem ankommen, dann ist alles dicht: harter Lockdown. Darum sind sie im Stall. Und sie feiern Weihnachten im kleinsten Kreis zu zweit, im Laufe der Nacht dann zu dritt – alle aus einem Hausstand, besser gesagt: Stall-Stand. Und der Stall ist natürlich gut gelüftet, allein schon wegen der Tiere. Und die Engel, die in der Nacht dazukommen, schweben über dem Stall – mit Abstand. Alles so, als hätte es Corona schon gegeben. Und kurz nach Weihnachten müssen Maria und Josef nach Ägypten quasi in Quarantäne. Die Heilige Familie erlebt das alles als persönliche Krise! Maria und Josef haben sich das bestimmt auch anders vorgestellt. Wie peinlich, dass sie ihrem Baby nichts Besseres bieten können als eine Futterkrippe. Gut möglich, dass Josef gedacht hat: Hoffentlich kriegt das keiner mit!

Und dann kommt auch noch ausgerechnet Gott zur Welt! Unter diesen Umständen, Zustände sind das! Eben da, wo Menschen sich das eigentlich ganz anders vorgestellt haben – genau da kommt Gott ins Spiel. Wenn ich Gott nichts Besseres bieten kann als einen Stall voller Probleme … dann ist er schon da. Wie immer.

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler