Tag 287: Samstag, 26. Dezember 2020

Eine Superkraft für Familien

Tag 287 Superkraft


„Papa, Corona hat alles verändert!“, sagt Theo. Das Corona-Jahr war sein erstes Schuljahr. Er denkt an die Schule, das Homeschooling, die Masken, den Abstand. Nur die Playmobil-Krippe, die ist noch dieselbe wie letztes Jahr. Theo betrachtet sich die Figuren genau. „Papa, was bringt es denn, dass Gott als Baby auf die Welt kommt?“ Gute Frage! Was sich Theo vielleicht wünscht, ist ein Gott, der auf den Tisch haut und die Welt verändert: Gott als eine Mischung aus Superman und Weihnachtsmann, der Corona besiegt und diesem Virus endlich mal zeigt, wo’s langgeht!


Wahrscheinlich ging es Maria und Josef so ähnlich: Nach der Geburt im Stall stehen sie da mit einem Neugeborenen, haben immer noch keine Unterkunft – und erfahren, dass sie auch im Stall nicht bleiben können, weil der König den Kindern an den Kragen will. Sie können ihrem Kind kein Zuhause bieten – nur ein Leben auf der Flucht. Maria und Josef spüren nicht die Macht Gottes, aber sie spüren sein großes Vertrauen. Gott traut Maria und Josef das zu – mit dem Kind. Gott glaubt an sie. In dieser Nacht hat sich darum etwas für sie verändert: Gott gehört ab sofort zur Familie.


Theo nimmt die kleine Familie aus dem Stall, betrachtet sie genau und sagt: „Ich glaube, die brauchen gar keinen Weihnachts-Superman. Vertrauen, das ist auch eine Superkraft!“ Dann stellt er die heilige Familie behutsam wieder zurück zur Krippe. „Weißt du, was ich glaube? Nächstes Jahr feiern wir Weihnachten ohne Corona.“ Und bis dahin wünsche ich uns diese Superkraft: Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht. Weihnachten ist immer noch das Fest der Familie, bei dem Gott uns sagt: „Ich glaube an euch!“ Maria und Josef würden sagen: Weihnachten hat alles verändert.


Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler