Tag 308: Samstag, 16. Januar 2021

Langsam rieselt der Sand

Die meiste Zeit steht sie einfach nur da. Auf meinem Schreibtisch. Meine Sandkugel. Ich hab sie vor langer Zeit entdeckt. Oder sie mich – wer weiß das schon so genau. Sie ist ein Souvenier und noch viel mehr.

In der Mitte der Kugel befindet sich ein drehbares Bild, mit zwei Motiven. Frisch gedreht kann man das Bild nicht erkennen. Zuerst ist da nur der Sand. Erst, wenn der Sand ganz langsam in die untere Hälfte rieselt, bekommt das Bild eine klare Kontur.

Manchmal geht es mir mit meinen Gedanken ganz genau so, genau wie der Kugel. Meine Gedanken finden keinen festen Punkt, rieseln einfach so hin und her – werden so zahlreich wie Sand am Meer.

Wenn das geschieht, dann nehme ich sie in die Hand – meine Sandkugel. Drehe sie hin und her. Beobachte den Sand. Kann sehen wie das Bild entsteht, eine Kontur bekommt. Wie es sich klar herausbildet. Und manchmal, ja manchmal gelingt es mir genau so – langsam wie rieselnder Sand – auch meine Gedankenkörner sacken zu lassen. Übrig bleibt am Ende ein Bild – mit klarer Kontur.

Pfarrerin Jasmin Coenen, Albersweiler