Tag 327: Donnerstag, 4. Februar 2021

Stop-Motion

327 stopmotionDas ist die Hausaufgabe: „Mache einen Stop-Motion-Film. Erzähle dabei eine Geschichte“. Luise weiß relativ schnell, welche Geschichte sie erzählen will: Grabräuber wollen den Schatz des Pharaos stehlen. Sie malt das Bühnenbild, richtet die Requisiten, die Kamera macht „klick“. Luise bewegt den Grabräuber ein kleines Stück, dann wieder „klick“. Bewegen, stoppen, bewegen, stoppen, bewegen, und so weiter. „Das ist anstrengend!“, sagt Luise nach ein paar Bildern. Ich beobachte sie dabei – wie sie ihre kleinen Schauspieler bewegt – und sich von Bild zu Bild hangelt. Bei jedem „Klick“ höre ich ein Aufatmen, sehe ich ein Lächeln, ein Funkeln in ihren Augen.

Es ist mehr als nur eine Hausaufgabe. Hier entsteht ein Rhythmus, ein Gleichnis, eine Metapher für das Leben. Manchmal bewege ich mich genauso von Tag zu Tag, hangle mich genauso von Bild zu Bild… Und die wichtigsten Momenten sind die Unterbrechungen, die Stopps, die Haltepunkte: anhalten, innehalten, Pause machen. Dadurch kommt was in Bewegung. Erst jetzt begreife ich, warum in der Schöpfungsgeschichte nach jedem Tag, nach jedem großartigen Werk steht: „Und Gott sah, dass es gut war. Es ward Abend, es ward Morgen…“, nächster Tag. Das heißt, selbst Gott gönnt sich solche Momente, selbst Gott kommt zu sich – und hält inne und freut sich. Ein Aufatmen, ein Lächeln, ein Funkeln in Gottes Augen – und dann geht’s weiter. Also: Kurzer Stopp, dann kommt neue Bewegung in die Geschichte. Wie wär’s? Macht Pause, Stopp – und seid gespannt, wie’s dann weitergeht!

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler