Tag 354: Mittwoch, 3. März 2021

Geschichten kreuzen auf

Tag 354 Geschichten

Es ist einfach zu groß. Wie ich es auch drehe und wende: Unser Godramsteiner Hungertuch passt nicht ganz aufs Foto. Egal, wo ich stehe: Eine Ecke fehlt immer.

Vermutlich auf das 11. Jahrhundert geht der Brauch von sogenannten Hungertüchern zurück: Zu Beginn der Fastenzeit versperrte ein solches Tuch der Gemeinde den Blick auf den Altar: Auch das Fasten der Augen sollte ein Zeichen der Buße sein. Nun hat das Fasten- oder eben auch Hungertuch zwar das Geschehen am Altar verdeckt, aber bewusst in Bildern den Menschen unzählige biblische Geschichten vor Augen geführt. Kunstvolle Werke sind entstanden. So erklärt sich auch die Redensart „am Hungertuch nagen“ (von ursprünglich nähen). Jetzt, in der Passionszeit, kreuzen auch in unseren Gottesdiensten und Andachten unzählige biblische Geschichten auf. Alle gleichermaßen aus dem Stoff, aus dem sich das Geheimnis unseres Glaubens speist.

Es ist einfach zu groß. Wie wir es auch drehen und wenden: Das Geheimnis des Kreuzes. Das Geheimnis des Lebens. Doch egal, wo wir stehen: Es möge sich Raum schaffen, in uns.

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein