Tag 374: Dienstag, 23. März 2021

Worte, die bleiben

374 keywordsJede Zeit hat ihre eigene Sprache. Wörter und Begriffe veralten oder schießen neu aus dem Boden. Sprachwissenschaftler haben rund 1000 neue Wörter gesammelt, die im Zusammenhang mit Corona entstanden sind. Auf der Internetseite des „Leibniz-Institut für Deutsche Sprache“ in Mannheim (IDS) kann man alle gefundenen oder gemeldeten neuen Wörter nachlesen (www.owid.de). Die Lektüre lohnt sich. Man muss schmunzeln, wenn man bei A wie „abgespeckter Lockdown“ beginnt und bei Z wie „Zielinzidenz“ und „Zoomschule“ endet.

Und irgendwo in der zweiten Hälfte der Liste habe ich das Wort gefunden, das mich beschäftigt, seit ich es gehört habe:

Präsenzgottesdienst!

Was gemeint ist, ist klar: Ein Gottesdienst mit Teilnehmenden, die präsent sind. Die mit Leib und Seele in einem Gottesdienstraum versammelt sind. Menschen, die „face to face“ beten, hören oder – halten sie sich fest - singen.

Bei aller Trauer um die vielen Gottesdienste, die ausgefallen sind, bei aller Sorge um die Zukunft unserer Gottesdienstkultur:

Gab es nicht vor Corona manchen Präsenzgottesdienst mit leeren Kirchenbänken? Waren immer alle, die im Gottesdienst versammelt waren, wirklich präsent? Und ist nicht jeder Gottesdienst, ob nun vor dem Altar oder vor der Mattscheibe gefeiert, ein Präsenzgottesdienst? Es kommt ja auf die Anwesenheit Gottes an. Und der hat versprochen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Worte aus dem Matthäusevangelium, die weder veralten noch neu kreiert werden müssen. Das sind bleibende Worte. Gott sei Dank!

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt