Tag 385Tag 386 Krönung: Ostersonntag, 4. April 2021

Die Krönung

Eine Jugendfreizeit geht zu Ende. Für den Abschlussgottesdienst sollen die Teilnehmer*innen draußen etwas Passendes als Altar-Deko suchen. Die Begeisterung hält sich in Grenzen: Es ist schließlich nass und kalt. So legen sie einfach schnell verdorrte Äste, alte Zapfen und braune Blätter in die Mitte. „Vergiss den Schrott“, sagt einer. Ein Mädchen hält was versteckt. Ein anderer kommentiert: „Sie hat die absolute Krönung.“ Eine Colaflasche kommt zum Vorschein. „Hab´ sie sogar abgewaschen!“ Kichernd setzen sich alle, gespannt, was passieren wird. Da stand sie nun also, die Colaflasche: Sie machte sich im Glanz der Kerzen sogar ganz gut unter all dem Verwelkten um sie herum. Ein Gespräch entspinnt sich: Die Flasche hat es verstanden, sich gegen den Lauf der Natur zu wehren. Der Zahn der Zeit nagt nicht an ihr. Der Tod hat keine Macht über sie. So geht es eine Weile, bis einer an einem Ast winzige Knospen entdeckt. Auf einmal suchen alle nach Lebenszeichen, im Zapfen finden sie Samen, und schließlich meint jemand: „Eigentlich ist doch all das der Humus, die Lebenskraft für Neues in die¬sem Frühjahr!“ Jetzt war die Colaflasche nicht mehr der Star. Sie war tot und blieb tot. Aber dort, wo Sterben war, war auch Leben zu entdecken! Jesus sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Er¬de fällt und erstirbt, bleibt es allein. Wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ Oder anders: Dass wir zu Ostern einstimmen dürfen in den Ruf „Christ ist erstanden“, das ist Gottes Krönung für uns!

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein