Tag 406: Samstag, 24. April 2021

Schilderwald

406 SchilderwaldMein beschauliches Dörfchen Rhodt unter Rietburg wird zur Großstadt. Das könnte man vermuten, wenn man von der Edesheimer Straße (im Volksmund „Bitz“ genannt) zur Weinstraße gelangt. Sage und schreibe 15 Verkehrsschilder zieren die Kreuzung. Mehr können es in Berlin auch nicht sein.

Solche „Hauptverkehrspunkte“ brauchen Zeit, bis sie gelesen, verstanden und bedacht sind. Besteht das Leben nur aus Umleitungen? Gibt es diese Reizüberflutung schon immer oder wird immer alles komplizierter, differenzierter und unübersichtlicher? Handelt es sich hier um ein zu Blech gewordenes Sinnbild für die Widersprüchlichkeit des Daseins? Die einen sagen: „Hier geht‘s lang“ und die anderen behaupten: „Nein, dort ist der richtige Weg zu finden“. Welcher der Wegweiser ist wirklich wichtig in meinem Leben? Zerstört nicht die Quantität der Zeichen die Qualität der Botschaft? Sind wirklich diejenigen Schilder die wichtigsten, die man am besten sieht?

Schmunzeln und Grübeln gedeihen an dieser Kreuzung.

Es ist erstaunlich, wie viele Hinweise, Botschaften, Ratschläge, Appelle und Aufforderungen uns Tag für Tag erreichen. Wir kommen damit klar. Manche Botschaft beachten wir nicht. Manche Botschaft gibt unserem Leben eine andere Richtung. Und dann wären da noch die Botschaften, die wichtig sind, ob wir das so sehen oder nicht.
Wegekreuzungen brauchen einfach Zeit. Die wird allerdings selten gewährt.

Für heute wünsche ich mir an der „Bitz“ schnelle Auffassungsgabe, Entscheidungsfreude und Tatendrang. In meinem Fall: „Nuff nach Weyher“, basta. Auch, wenn der Weg von Rhodt nach Weyher früher ein nicht ungefährlicher Weg gewesen sein soll. Wegen der Konfessionsgrenzen. Aber dafür gibt es kein Schild mehr. Gott sei Dank!

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt