Tag 443: Montag, 31. Mai 2021

Sind wir noch zu erziehen?

Tag 443 Herzerziehung

Ich habe ein paar Tage frei und bin zu Freunden gefahren, die ein Weingut an der Mosel haben. Bei einer Wanderung zeigten sie mir stolz ihren Weinberg und ihre Anbaumethode: die „Herzerziehung“. Die Rebzweige werden zu einem Herz am Pfahl gebunden. Sie erklärten mir: „Durch diese Art von Erziehung verhindern wir, dass die Rebstöcke zu buschig werden. Sie haben dann weniger Blätter, dafür mehr Trauben. Das bedeutet mehr Winzerarbeit, aber die Früchte entwickeln dann ihr sehr ursprüngliches Aroma.“

Nun sitze ich im Urlaub an diesem Text und sollte doch vor Inspiration nur so sprudeln – nach so einer Auskunft über herzförmige Reben! Aber ich habe mehr Fragen als Ideen. Zu was sollten unsere „Zweige“ erzogen werden? Vielleicht zu mehr Geduld und Hoffnung? Sind wir noch zu erziehen? Was sollte in jedem einzelnen von uns zusammenwachsen? Vielleicht Körper und Seele, Arbeit und Familie, wir und die Menschen in unserem Umfeld? Und was ist unser ursprüngliches Aroma? Oder wie können wir dem mehr ähneln, wie Gott uns gemeint hat?

Fragen über Fragen! Nur einer Sache bin ich mir heute sicher: Unser Gott scheut keine Winzerarbeit. Bei jedem einzelnen seiner Kinder, solange, bis unsere Rebzweige irgendwann ein Herz bilden und Früchte der Liebe tragen. Wir dürfen darauf vertrauen. Denn so spricht unser Winzer: „Ich, der Herr, bewache den Weinberg und bewässere ihn regelmäßig. Er wird blühen und gedeihen, so dass die ganze Erde voller Früchte ist.“ (Jes 27,3a.6b BB)

Almendra García de Reuter