Ein Vorwort zum Schluss:

Seit dem 15. März 2020 haben wir tägliche Impulse auf der Homepage unserer Regionalgruppe veröffentlicht. Es sollten Botschaften und Gedanken sein, die „gut tun“. Herausgekommen ist ein bunter Strauß an „Gut-Tu-Nachrichten“: Witzige, nachdenkliche, klagende, aufbauende, wegweisende, kritische, tröstende Artikel. Manchmal vielleicht auch ablenkend von der deprimierenden und angespannten Stimmung in der Gesellschaft.

Mir persönlich hat es Freude bereitet, mich auf dieses Format einzulassen. Ich habe gelernt. Herzlichen Dank allen, die mit ihren Rückmeldungen Mut gemacht haben.

Leider ist nach der Krise immer auch vor der Krise. Die Flutkatastrophe und die Überschwemmungen in den letzten Tagen offenbaren, wie gefährdet wir Menschen sind und immer bleiben werden. Möge die große Hilfsbereitschaft und möge Gott den Trauernden Kraft und Trost sein für die Tage, die kommen.

„Gute Nachrichten“ in krisenhaften Zeiten bergen das Risiko, falsch verstanden zu werden. Aber unsere Intension war richtig, bei allen trüben und dunklen Wolken die Sonne nicht zu vergessen, bei aller Angst und Sorge Mut zu machen, bei allem Ernst des Lebens auch ein Lächeln zu wagen, bei aller Anspannung auch mal auf andere Gedanken zu kommen.

In diesem Sinn verabschiede ich mich mit einem letzten Impuls aus sorgenfreier Ecke:

Tag 493: Dienstag, 20. Juli 2021

Überraschend sinnvoll

Tag 493 Vespa

Sie heißt Charlotte und es war Liebe auf den ersten Blick. Wir begegneten uns in Speyer. Sie stand im Laden und schien auf mich zu warten. Sie sah toll aus, fast nagelneu, keine 500 km gefahren.

Meine Vespa war ein Spontankauf. Der Erwerb eines Lebensgefühls. Italienische Leichtigkeit, gepaart mit der für mich notwendigen Stabilität. Im Koffer findet alles Platz. Reisegepäck, Talar, Weinkarton, je nachdem, was benötigt wird. Auf dem Koffer hat schon mancher Espresso gestanden, in Thekenhöhe.

Ziemlich schnell habe ich gemerkt, dass mein Spontankauf aber auch sinnvoll und nützlich war. Für die Entfernung zwischen meinen Gemeinden ist die Vespa genau richtig. Ich bin genauso schnell wie mit dem Auto, brauche weniger Benzin und habe keine Parkplatzprobleme.

Und zwischen den Einsätzen umweht mich der Fahrtwind. Ich kann abschalten und mich wie im Urlaub fühlen. Zumindest für kurze Zeit. Da gibt es einen Korridor der Entspannung, da sorgt die Landschaft für Glücksmomente, da geht es mit Schwung voran.

Mitten im Alltag einige Minuten Auszeit. Mit Charlotte kann ich mir noch einige Jahre vorstellen.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt