Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 465: Dienstag, 22. Juni 2021

Ein winziger Ruf

465 RindRanschbachIn Ranschbach konnte ich mich diesem Rinder-Kälbchen nähern. So unglaublich nah, dass ich sein flauschiges Fell fast anfassen konnte. Ich wunderte mich sehr darüber, wieso weder Mama-Kuh noch Papa-Bulle angetrabt kamen, um mich zu verscheuchen. Hatten sie das Kälbchen aus den Augen verloren? Der Hirte meinte prompt: „Die Eltern haben ihr Kalb zwar gerade nicht im Blick, aber ein winziger Ruf des Kalbes reicht und die Eltern suchen, finden und retten ihren Zögling sofort.“ Und ich würde dann womöglich in ernsten Schwierigkeiten stecken. Da musste ich schlucken und bin dann doch lieber fröhlich meines Weges gegangen.

Lieber Gott, Danke, dass du wie eine Kuh oder ein Bulle auf meinen winzigen Ruf reagierst. Gerade stecke ich in keinen so großen Schwierigkeiten. Aber für den Fall: Es tut mir so gut zu wissen, dass du mich dann suchen und retten möchtest. Amen.

Vikarin Almendra García de Reuter, Landau - Godramstein


 

Tag 464: Montag, 21. Juni 2021

Heute ist Pause. Tut auch mal gut.

464 pause


 

Tag 463: Sonntag, 20. Juni 2021

Ein Regenwurm rettet Leben

Tag 463 Regenwurm

Besser gesagt: mehrere, von Hand ausgegrabene Regenwürmer. Unser Amselchen sperrt den Schnabel auf und piept aufgeregt. Es ist aus dem Nest gefallen und mutterseelenallein. Wir finden das Amselchen auf dem Nachhauseweg. Das einzige, was es kann, ist Piepen und den Schnabel aufsperren. Das tut es, um mit dem versorgt zu werden, was es fürs Überleben braucht. Und wenn es den Schnabel aufsperrt, ist es von oben gesehen nur noch Schnabel! Sehr beeindruckend: Ich wusste gar nicht, wie weit Vögel den Schnabel aufreißen können! Und das macht es mit einer Energie und einem Eifer, dass wir nicht anders können als ihm bei uns zuhause ein neues Nest zu geben. Und wir graben unseren Garten nach Regenwürmern um – vor allem die Kinder!

Übrigens: Hinter dem hebräischen Wort für Seele, „Näfäsch“, steckt genau dieses Bild des Vogels, der den Schnabel aufsperrt – wie unser Amselchen. „Näfäsch“ ist gleichzeitig auch der Lebensatem, den uns Gott in seinem Garten einhaucht - so wie wir der Amsel die Regenwürmer aus unserem Garten von oben in den Schnabel füttern. Offenbar meint die Bibel, dass es uns Menschen auch guttut, den Schnabel aufzusperren, also die Seele - so weit, wie es das Amselchen kann! Um mit dem versorgt zu werden, was wir zum Leben brauchen: Lebendigkeit, die von Gott kommt. Und der Sonntag ist so etwas wie der „Schnabel-Auf-Tag“ für die Seele… Vielleicht auch, um mit Gott zu reden wie uns der Schnabel gewachsen ist. Versucht’s mal!

PS: Der Amsel geht es gut, wir haben mittlerweile eine Pflegemutter für sie in Queichhambach gefunden – und die Kinder werden sie bestimmt immer mal besuchen – und einen fetten Regenwurm aus unserem Garten mitbringen!

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler

 

 

 

 


 

Tag 462: Samstag, 19. Juni 2021

Tag_462_Weg

Manchmal wünsche ich mir mein Weg durchs Leben, mein Weg mit und zu Gott wäre so gerade wie in diesem Bild. Das wäre schon ein Traum. Immer geradeaus, keine Hindernisse, alles ist perfekt. Aber wenn ich meinen Weg durchs Leben und meinen Weg mit Gott zeichnen müsste, wäre das wohl eher der Weg, denn ich gehe, wenn ich nach etwas Wein zu viel zu mir nach Hause laufe. In Schlangenlinien, mit Umwegen und Sackgassen. Mein Weg ist leider nicht so gerade. Aber auf der anderen Seite, wie langweilig wäre mein Weg, wenn er immer nur gerade wäre? Natürlich ist es nicht schön, wenn man an Stellen in seinem Leben gerät, auf die man lieber verzichtet hätte. Wenn Gott gerade ganz weit weg scheint. Aber nur deswegen weiß ich zu schätzen, was ich an meinem Leben und an Gott habe. Ohne diese Umwege hätte ich viele Menschen, die mich bis heute begleiten nie kennengelernt. Also nehmen wir das positive an unserem Weg in Schlangenlinien, in Umwegen und Sackgassen. Wenn wir gerade in eine geraten, wenn wir uns von Gott entfernen, wenn wir einen Umweg gehen. Dann ist das frustrierend. Aber wenn wir wieder aus der Sackgasse herausfinden, de Schlenker zurück zu Gott machen, den Umweg absolviert haben, dann haben wir ganz viele Souvenirs auf unserem Weg gesammelt, die uns begleiten. Also bei Ihrem nächsten Schlenker, schauen Sie doch mal am Wegesrand, was sich für die Zukunft einsammeln lässt.

Vikar Patrick Keipert, Landau

 

 

 

 


 

Tag 461: Freitag, 18. Juni 2021

Sachen gibt’s…

Tag 461 Lachen im Alltag

Es ist schon viele Jahre her. Ich war noch stolzer Besitzer einer unbändigen Haarmähne und eines ansehnlichen Bartes; ein studierender Waldschrat. Mit meinem Schwiegervater wollte ich den Saunabereich eines neuen Badezentrums besuchen. Rechtzeitig um 10 Uhr standen wir am Eröffnungstag in der Menschentraube, die sich im Einlassbereich gebildet hatte. Als wir endlich an der Reihe waren, klärte uns die Dame an der Kasse auf: „Die Sauna öffnet erst um 14 Uhr“. Wir überlegten kurz, dann entschlossen wir uns, wieder nach Hause zu fahren und nach dem Mittagessen einen zweiten Versuch zu wagen. Gesagt, getan. Wir fuhren die 25 Kilometer zurück und wieder her und standen Punkt 14 Uhr wieder an der Kasse. Dort saß dieselbe Frau, die uns am Vormittag bedient hatte. Ich lächelte sie an und sagte: „Zweimal Sauna, bitte“. Worauf sie antwortete: „Tut mir leid, heute ist nur Damensauna!“

Damals war ich sprachlos. Heute bin ich der Dame dankbar. Wie oft habe ich diese Anekdote zum Besten gegeben. Der missglückte Saunabesuch sorgte jahrelang für Gesprächsstoff und Lachen. Er hat mehr gebracht, als wenn wir vormittags durch die Kasse gewinkt worden wären.

Kennen Sie auch Anekdoten, die das Leben schreibt? Witzige Erlebnisse, die man sich besser nicht hätte ausdenken können? Ich liebe diese kleinen Begegnungen und die kurzen Gespräche, die den Alltag erheitern, die ihn leicht und unterhaltsam machen. Schön, wenn es kein Humor auf Kosten anderer ist.

Übrigens, was die Kosten betrifft: Das Spritgeld hat damals der Schwiegervater übernommen. Zusätzlich könnte ich mir heute vorstellen, der Dame an der Kasse einen Blumenstrauß zu überreichen.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt

 

 

 


 

Tag 460: Donnerstag, 17. Juni 2021

Gemeinschaft

Tag_460_Gemeinschaft

In den letzten Monaten hat mir etwas gefehlt. Der Kontakt mit anderen Menschen. Das hat sich auf meine Stimmung ausgewirkt. In diesen Tagen beobachte ich, dass Begegnungen eine echte Quelle der Freude sind. Sei es im Supermarkt, bei Sitzungen oder im Gottesdienst. Mit anderen gemeisam etwas bewegen, gemeinsam musizieren, Sport treiben oder Gottesdienst feiern - das habe ich vermisst.
Mit den aktuellen Lockerungen normalisiert sich für viele Menschen die Lage. Andere leiden auch in normalen Zeiten unter Einsamkeit. Betroffene leben auch in unserem Umfeld. Kontaktarmut ist schädlich. In England gibt es sogar ein Ministerium, das Strategien gegen die Vereinsamung entwickelt. Die Gemeinde ist ein wichtiger Ort der Begegnung. Und das ist gut so !

Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn,
Sorgen, Freuden, Kräfte teilen
und auf einem Wege gehn.
Gut, dass wir nicht uns nur haben,
dass der Kreis sich niemals schließt
und dass Gott, von dem wir reden,
hier in unsrer Mitte ist.

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Annweiler / Hofstätten

 

 


 

Tag 459: Mittwoch, 16. Juni 2021

 Tag 459 Bilder GaulIch bin doch schon groß! Ich bin doch schon selbstbestimmt. Ich koche und esse, was ich möchte. Oder zumindest was ich mir selbst erlaube. Vieles in meinem Leben habe ich selbst in der Hand, kann ich selbst bestimmen. Sogar in meinem Beruf.

Nur manchmal gibt es andere Tage. Nur manchmal gibt es dieses Gefühl, dass es zu viel wird, dass mir die Dinge entgleiten und ich als Getriebener reagiere. Wenn man Luther glauben kann, dann hatte er auch diese Momente seines Lebens ganz in Gottes Hand gelegt. Oder zumindest zu legen versucht. Der Selbstzweifel ist Luther nicht unbekannt.

Mir und vermutlich auch vielen von Ihnen wird es ähnlich gehen. Gottes Pläne mit uns sind selten glasklar. Überraschungen begegnen uns immer wieder. Gerade deswegen kann ich oft für mich sagen: es ist gut, wie es gekommen ist. Und bei Ihnen?

Pfarrer Thomas Himjak-Lang