Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 313: Donnerstag, 21. Januar 2021

Homeschooling

313 a homeschoolingEs gibt ja Dinge, die lernt man in diesen Corona-Zeiten. Einhändig die Maske aufziehen, mit dem Ellenbogen Desinfektionsspender bedienen, mit beschlagener Brille auf dem Markt das Obst begutachten ... das gehört noch zu den leichteren Übungen.

Ich habe mir aber richtig Schweres vorgenommen, nämlich zu lernen, in jeder Situation noch das Positive zu entdecken. Meine neueste Entdeckung: dank Homeschooling kann ich wieder rasend schnell rechnen. Addition und Subtraktion im 100er-Raum, das 1x1 hoch und runter ... das muss flott gehen und absolut verlässlich richtig sein, sonst gibt's Ärger mit dem lernenden Kind.

Ich habe gelernt, vom Großen auf das Kleine zu schauen. Die kleinen Dinge, die kleinen Erfolge, die kleinen Hoffnungen helfen im Moment mehr als ein großes Wünschen, das unerfüllt bleibt.

Das ist gut biblisch. Ein Glaube so winzig wie ein Senfkorn reicht aus. Und du kannst Berge versetzen.

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf


Tag 312: Mittwoch, 20. Januar 2021

Ausmisten

312 AusmistenUnsere Mülleimer sind Woche für Woche voll. Und in mancher Zimmerecke stapeln sich Bücher, Spiele, Zeitschriften, Modellautos, Plattenspieler.

Wir räumen aus! Man kann ja sonst nichts tun. Shoppen, Schwimmbad, Schorle geht nicht. Also wird erst aufgeräumt und dann ausgeräumt. Es gibt so viele Dinge, die wir jahrelang nicht benutzt haben. Wir entdecken sie wieder, schwelgen in Erinnerung, aber wir brauchen sie nicht mehr.

Also: Stufe 1: Rundruf bei den erwachsenen Kindern. Wer will Bilder behalten, die mit drei Jahren kreiert wurden? Wer sammelt die eigenen Grundschulzeugnisse? Besteht Bedarf an Gesellschaftsspielen? Bücher meterweise abzugeben!

Es folgt Stufe 2: ebay. Es ist schon erstaunlich, was man alles anbieten kann. Und was alles gekauft wird. Briketts, bedruckt mit der Fussball-WM von 1974, Puzzles mit 8000 Teilen (woher hatten wir die Zeit, so ein Monstrum zu legen?).

Stufe 3: Der Mülleimer. Und es funktioniert. Man kann sich trennen. Vieles ist weg, aber nichts fehlt. Ein befreiendes Gefühl.

Lothar Schwarz, Rhodt


Tag 311: Dienstag, 19. Januar 2021

Besser Fragen als Besserwissen

Tag 311 Besserwisser

Guten Morgen liebe Kinder… guten Morgen Herr Lehrer – äh Papa… so kommt‘s mir gerade vor. Meine Kinder und ich – wir gehen jeden Morgen zusammen an die Arbeit im Homeoffice und Homeschooling. Und dabei ist mir jetzt was aufgefallen: Ich arbeite so vor mich hin, ich beantworte eine Mail nach der anderen, ich sammle Antworten; meine Kinder arbeiten anders: die sammeln Fragen. Meine Älteste ist in der dritten Klasse, die will ein Referat über das alte Ägypten machen, hat schon eine Menge dazu gelesen, aber hat mittlerweile mehr Fragen als vorher: „Gab‘s damals auch schon Homeschooling? Warum haben sie so viel Zeug mit ins Grab genommen? Und was passiert, wenn eine Pyramide, also ein Pharaonengrab, nicht rechtzeitig fertig war?“ Meine Kinder sind Meister im Fragen! Und ich mache gerade meinen Meister im Antworten-aus-den-Fingern-Saugen. Ich bin ein Besserwisser, meine Kinder sind Besserfrager. Vielleicht hat Jesus damals deswegen den Besserwissern um sich herum gesagt: „Werdet wie die Kinder!“ Lernt wieder zu fragen, denn wer fragt, der sagt: Ich bin mit Gott und der Welt noch nicht fertig, ich will mehr wissen, mehr erfahren, mehr erleben! Eigentlich vielleicht sogar ganz gut, dass die Kinder gerade im Homeschooling sind – denn ich lerne dadurch eine ganze Menge – zum Beispiel wieder mehr zu fragen: Was will ich noch erleben? Was will ich wirklich? Und: Wie werde ich vom Besserwisser zum Besserfrager?

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler

 

 

 

 


Tag 310: Montag, 18. Januar 2021

Die Wendeöffnung im Leben zulassen

Tag 310 Wendeöffnung


Seit ein paar Jahren habe ich das Nähen für mich entdeckt. Neben der Arbeit und der Familie kreisen meine Gedanken oft um Schnittmuster, Stoffe und Farben. Das Hobby erdet mich und sorgt für Entspannung am Abend oder zwischendurch. Das Schönste für mich ist aber die große Spannung bei den vielen kleinen und großen Näh-Projekten, die man „wenden“ muss. Das ist zum Beispiel nötig, wenn zwei Schnittteile aufeinandergelegt und einmal darum herum genäht wird. Aber: Nicht komplett drum herum, denn ein Stückchen ist offen zu lassen: die Wendeöffnung! Durch dieses Loch wird das Stück gewendet, also auf die richtige Seite umgekrempelt. Nach dem Umkrempeln bekommen die Schnittteile eine neue Form, es entsteht was Neues, wie ein Kissen, Kleidung, Taschen, Spielzeug. Jedes Mal warte ich auf diesen Moment und bin dann begeistert. Es ist für mich jedes Mal unfassbar, wie beim Wenden aus zusammengenähten Stoffteilen ein Gegenstand wird! Wie wäre es eine „Wendeöffnung“ für unsere Zukunft einzuplanen? Eine Öffnung für Gott zu lassen. Das können wir bei großen und kleinen Ideen und Projekten tun, sowie bei Beziehungen. Wir können offen für Gottes Kreativität und Einfallsreichtum in unserem Leben sein. Wo wir nur langweiliges Planen, Chaos oder Unglück sehen, kann Gott es noch umkrempeln, zum Guten wenden und daraus was Wunderbares entstehen lassen. Wir dürfen damit rechnen!


„…denn mein Plan mit euch steht fest: Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken…“ – Gott. (Jer 29,11 /GN)

Vikarin Almendra García de Reuter, Godramstein

 

 

 

 


Tag 309: Sonntag, 17. Januar 2021

Die Bücherkiste

Tag 309 Die Bücherkiste

Von einer Bekannten bekam ich kürzlich eine Kiste mit aussortierten Büchern.
Darunter auch das: „Von einer, die auszog Gutes zu tun“ von Theresa Voigt.
Darin beschreibt eine junge Frau, welche guten Taten sie an 365 Tagen vollbracht hat.
Jeden Tag eine. Sie berichtet darüber, wie sie neuen Nachbarn ein Eis vorbei bringt,
einen Baum gepflanzt hat oder gespendet hat. Sie rechnete sich auch an, was vielleicht
niemand sah und doch Überwindung kostete: „Ich habe meinen Mann beim Tanzkurs nicht kritisiert, ich habe jemandem verziehen und etwas Gutes doppelt zurückgegeben.“
Jeden Tag die Welt ein klein wenig heller machen und das protokollieren. Eine gute Idee und nicht allzu schwer. Jeden Tag eine gute Tat ist nicht nur ein alter Pfadfinderspruch.
Wer das versucht bringt Freude in die Welt – und verändert auch das eigene Leben positiv.

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Annweiler / Hofstätten

 

 

 


Tag 308: Samstag, 16. Januar 2021

Langsam rieselt der Sand

Die meiste Zeit steht sie einfach nur da. Auf meinem Schreibtisch. Meine Sandkugel. Ich hab sie vor langer Zeit entdeckt. Oder sie mich – wer weiß das schon so genau. Sie ist ein Souvenier und noch viel mehr.

In der Mitte der Kugel befindet sich ein drehbares Bild, mit zwei Motiven. Frisch gedreht kann man das Bild nicht erkennen. Zuerst ist da nur der Sand. Erst, wenn der Sand ganz langsam in die untere Hälfte rieselt, bekommt das Bild eine klare Kontur.

Manchmal geht es mir mit meinen Gedanken ganz genau so, genau wie der Kugel. Meine Gedanken finden keinen festen Punkt, rieseln einfach so hin und her – werden so zahlreich wie Sand am Meer.

Wenn das geschieht, dann nehme ich sie in die Hand – meine Sandkugel. Drehe sie hin und her. Beobachte den Sand. Kann sehen wie das Bild entsteht, eine Kontur bekommt. Wie es sich klar herausbildet. Und manchmal, ja manchmal gelingt es mir genau so – langsam wie rieselnder Sand – auch meine Gedankenkörner sacken zu lassen. Übrig bleibt am Ende ein Bild – mit klarer Kontur.

Pfarrerin Jasmin Coenen, Albersweiler

 

 

 


Tag 307: Freitag, 15. Januar 2021

Jammertal

Tag 307 Jammertal

Sorgen quälen und werden mir zu groß
Mutlos frag ich: Was wird morgen sein?

Manche Tage sind so. Wie mit einem schweren Stein im Herzen. Der Blick in die Tagespresse ist da meistens auch nicht gerade eine große Wonne & Freude. Wenn dann noch eine eigene Unzufriedenheit hinzukommt, dann ist die Motz - und Jammerstimmung perfekt.

Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.

So geht es weiter, von den Sorgen zu Gottes Liebe (EG 644: Meine Zeit steht in deinen Händen). Und so geht es auch heute weiter, vom Motzen hin zu einem Experiment. 30-Tage ohne heißt es. Es stammt aus Belgien, der flämische Gesundheitsminister hat es vorgeschlagen. 30 Tage ohne Jammern. Denn auch Jammern ist ansteckend, selbst mit Maske und Abstand. Kein Jammern mehr übers Warten, übers Wetter, über über über… Nicht weil die Welt plötzlich eine andere, eine vollkommene ist, sondern weil die Welt durch Jammern nur schlechter wird.

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Böchingen