Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 411: Donnerstag, 29. April 2021

Spießer

Tag 492 Spießer

Seit ein paar Tagen ist er da, mein Symbol des Spießertums auf der Terrasse. Tatsächlich ein altes Modell, aber noch gut in Schuss. In den letzten Tagen hat er im Homeoffice gute Dienste geleistet. Auch der Nachbarschaft ist er schon aufgefallen. Irgendwie kamen wir dann auf die Frage für heute: War Jesus eigentlich Spießer?

Natürlich nicht - mögen manche sagen. Jesus war doch vielmehr ein Rebell, der Umkehr, Buße und vor allem Liebe gefordert hat. So wahr das auch sein mag, ich glaube Jesus war zu Teilen auch Spießer. Ein paar Punkte dazu habe ich gefunden (diese Liste ist garantiert nicht vollständig!): Jesus hat ganz brav den Beruf seines Vaters erlernt, er war Zimmermann. Jesus hatte, wie wir auch, ein soziales Umfeld, hatte Freunde und Familie und hat diese sozialen Kontakte auch gepflegt. (Man mag hier mit Mt 12,46ff. Einwänden, dass Jesus seine Mutter und Brüder nicht anerkennt, aber dennoch haben Sie bis zu seinem Tod und darüber hinaus Kontakt). Zwar hat er die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben, jedoch eben nicht gegen den Staat aufbegehrt. Zu guter Letzt: auch Spießbürger haben Emotionen, so hat Jesus einen Strauch verflucht, weil dieser zur falschen Jahreszeit eben keine Früchte für Ihn trug.

Jesus war auch Spießer und ich glaube in manchen Bereichen meines Lebens bin ich das auch. Einfach nur normal, ein bisschen angepasst, schaffe mir ein bisschen Struktur. Die Zeitung unter dem bunten Schirm zu lesen, ist einfach schön.

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Annweiler

 

 


 

Tag 410: Mittwoch, 28. April 2021

So gesehen

Tag 410 So gesehen

Dass es mit Macht Frühling wird, ist in diesen Tagen an unseren Gut-Tu-Nachrichten zu sehen: Nach „Grumbeer-Vertrauen“, „So nah beieinander“ und dem „Projekt Hoffnung“ setze ich das Thema „Gärtnern“ kurzerhand mit einer kleinen Begebenheit aus dem Büchelchen „Typisch! Kleine Geschichte für andere Zeiten“ fort:

Eine Frau beschloss, einen Garten anzulegen. Sie bereitete den Boden vor und streute die Samen wunderschöner Blumen aus. Als die Saat aufging, wuchs auch der Löwenzahn. Die Frau versuchte mit allen möglichen Methoden, den Löwenzahn auszurotten, aber nichts half. Am Ende machte sie sich auf, um in der fernen Hauptstadt den Hofgärtner des Königs zu befragen. Der weise, alte Gärtner, der schon so manchen Park angelegt hatte, gab ihr viele Ratschläge, wie der Löwenzahn loszuwerden sei. Aber was er auch vorschlug, die Frau hatte alles schon probiert. So saßen die beiden ratlos da, bis am Ende der Gärtner die Frau anschaute und sagte: „Wenn denn alles, was ich dir vorgeschlagen habe, nichts genützt hat, dann gibt es nur einen Ausweg: Lerne, den Löwenzahn zu lieben.“

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein

 


 

Tag 409: Dienstag, 27. April 2021

Projekt Hoffnung (Fortsetzung)

409 hoffnungMein Projekt Hoffnung geht weiter. Der Vorgarten ist umgestochen und penibel von Wurzeln befreit. Die Erdschollen sind zerbröselt zu Erdkrumen. Ein ortsansässiger Biowinzer gab mir Beratung, welche blühenden Pflanzen für diesen (zugegeben miserablen) Boden geeignet sind. Der Samen ist ausgebracht und fein säuberlich untergerecht. Jetzt muss es nur noch wärmer werden. Und feucht muss ich das Ganze halten.

Deshalb kämpfe ich jeden Morgen und jeden Abend mit einem äußerst störrischen Gartenschlauch und sprühe einen Wassernebel um mich. Und weil jeden Morgen und jeden Abend die Sonne tief steht - einmal von Osten und einmal von Westen - sehe ich bei jeder Bewässerungsaktion einen Regenbogen.

Wenn das kein Zeichen der Hoffnung ist!

"Solange die Erde steht soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht."

Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf


 

Tag 408: Montag, 26. April 2021

So nah beieinander!

408 Kräuterbalkon GTNAuf der Suche nach „Baum-Chili“ für meinen Balkon – eine Chili-Art aus meiner Heimat Perú, die ich sehr vermisse, – bin ich auf eine Baumschule für Kräuter- und Duftpflanzen* gestoßen. Ihr Katalog hatte jede Menge Rezepte und Informationen über die unterschiedlichsten Pflanzen. Ein wahrer Schatz der Kräuterkunde! Doch ich blieb vor allem an dieser Geschichte vom Gärtner Stephan Osiewacz hängen:

„Das Leben geht weiter:

Während eines Spaziergangs durch die Gärtnerei fiel mir eine Lücke auf, die im mich umgebenden Blütenmeer klaffte. Ich beugte mich hinunter und fand eine umgestürzte Thymianpflanze, die übersehen und vergessen, dort einsam liegend verstorben war. Doch zahlreiche Samen jener Pflanze waren gekeimt, und im Schutz der sie umgebenden Blütenwälder reckten sich nun kleine Sprösslinge still, heimlich und doch bestimmt dem Licht entgegen. Behutsam nahm ich die Kiste mit, um dieses Ereignis mit meinen Kollegen zu teilen – nahezu jeden erfreute dieses kleine Wunder. Vielleicht, weil uns aufkeimendes Leben beglückt? Sich als Teil des geschehenen Lebens zu begreifen, jenseits menschlicher Kontrolle?“ (Auszug)

Diese Geschichte passt für mich so gut in diese österliche Freudenzeit, weil in ihr eine Botschaft zum Ausdruck kommt, die nicht nur für Pflanzen, sondern auch für uns Menschen gilt: Sollten wir einmal umstürzen und uns übersehen, vergessen und einsam fühlen, wird Gott uns nicht übersehen und vergessen. Er kann neues Leben in uns hervorrufen. Still, heimlich - und doch bestimmt - geschehen bei uns immer wieder diese kleinen Wunder, wie sie der Gärtner Stepan Osiewacz beschreibt!

*www.kraeuter-duftplanzen.de

Vikarin Almendra García de Reuter, Godramstein


 

Tag 407: Sonntag, 25. April 2021

Grumbeer-Vertrauen

407 kartoffelDie Kartoffel könnte ich eigentlich gleich essen. Ich mag Pommes. Ich mag Kartoffelsuppe. Und am liebsten Pellkartoffeln mit Quark, Apfelmus und Leberwurst. Es fühlt sich für mich komisch an, die Kartoffel in die Erde zu legen.

In unserem Garten in Queichhambach habe ich gestern Kartoffeln „gesetzt“. Das heißt: zur Kartoffel Tschüss sagen, Abschied nehmen, die Kartoffeln in der Erde verstecken. Und dann Warten.

Ich sehe nicht, was in der Erde passiert. Ich hoffe, dass aus meiner Kartoffel viele werden. Und dass sie gut schmecken. Sie ernähren mich, meine Kartoffeln und meine Hoffnung. Das ist mein Grumbeer-Vertrauen: dass sich die Arbeit gestern gelohnt hat, und dass sich das Warten lohnt. Ich freue mich schon darauf, die Kartoffeln zu ernten. Probiert’s mal aus! Was mit Vertrauen alles wächst…

Luise Mendling, 9 Jahre, Queichhambach


 

Tag 406: Samstag, 24. April 2021

Schilderwald

406 SchilderwaldMein beschauliches Dörfchen Rhodt unter Rietburg wird zur Großstadt. Das könnte man vermuten, wenn man von der Edesheimer Straße (im Volksmund „Bitz“ genannt) zur Weinstraße gelangt. Sage und schreibe 15 Verkehrsschilder zieren die Kreuzung. Mehr können es in Berlin auch nicht sein.

Solche „Hauptverkehrspunkte“ brauchen Zeit, bis sie gelesen, verstanden und bedacht sind. Besteht das Leben nur aus Umleitungen? Gibt es diese Reizüberflutung schon immer oder wird immer alles komplizierter, differenzierter und unübersichtlicher? Handelt es sich hier um ein zu Blech gewordenes Sinnbild für die Widersprüchlichkeit des Daseins? Die einen sagen: „Hier geht‘s lang“ und die anderen behaupten: „Nein, dort ist der richtige Weg zu finden“. Welcher der Wegweiser ist wirklich wichtig in meinem Leben? Zerstört nicht die Quantität der Zeichen die Qualität der Botschaft? Sind wirklich diejenigen Schilder die wichtigsten, die man am besten sieht?

Schmunzeln und Grübeln gedeihen an dieser Kreuzung.

Es ist erstaunlich, wie viele Hinweise, Botschaften, Ratschläge, Appelle und Aufforderungen uns Tag für Tag erreichen. Wir kommen damit klar. Manche Botschaft beachten wir nicht. Manche Botschaft gibt unserem Leben eine andere Richtung. Und dann wären da noch die Botschaften, die wichtig sind, ob wir das so sehen oder nicht.
Wegekreuzungen brauchen einfach Zeit. Die wird allerdings selten gewährt.

Für heute wünsche ich mir an der „Bitz“ schnelle Auffassungsgabe, Entscheidungsfreude und Tatendrang. In meinem Fall: „Nuff nach Weyher“, basta. Auch, wenn der Weg von Rhodt nach Weyher früher ein nicht ungefährlicher Weg gewesen sein soll. Wegen der Konfessionsgrenzen. Aber dafür gibt es kein Schild mehr. Gott sei Dank!

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt


 

Tag 405: Freitag, 23. April 2021

Heimat

405 heimatVor ein paar Tagen habe ich mir eine Reportage über Berlin- Wilmersdorf im Fernsehen angeschaut (Bilderbuch Berlin - Wilmersdorf). Ich saß total gebannt vorm Bildschirm. Nicht, weil mir das so gut gefiel, sondern weil ich spürte, wie fremd mir das hippe Großstadtleben und die Anonymität sind.

Dass man es toll findet, in Europas größtem Wohnhaus zu wohnen, einem 700 Meter langen Betonklotz
unter dem täglich auf der Autobahn 30 000 Autos durchfahren, kann ich nicht nachvollziehen.

Der Film hat mich bewegt. Er hat mir gezeigt, wie gerne ich auf dem Land lebe. Er hat Dankbarkeit wach gerufen über meine Wahlheimat Pfalz. Er hat mir bewusst gemacht, wie wichtig mir der Pfälzerwald, die viele Natur um mich herum und die freundlichen Menschen hier sind.

Es ist schön, sich beheimatet zu fühlen. Heimat ist kaum in Worte zu fassen. Heimat hat mit Gefühlen zu tun. Mit dem Gefühl, dazuzugehören. Zuhause zu sein. Angekommen zu sein. Verwurzelt zu sein.

Gott, ich bin so dankbar, dass ich in
dieser schönen Umgebung leben darf.
Danke für das, was Heimat ausmacht:
Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle,
die großartige Natur, die in der ich auftanken kann,
Gemeinschaft, die mich stärkt,
und mein Glaube, der mich trägt. Amen.

Gemeindediakonin Annette Bernhard, Annweiler / Hofstätten