Gute Nachricht - Gut-Tu-Nachricht

Tag 404: Donnerstag, 22. April 2021

404 georgiusHeute vor 200 Jahren wurde er Ökumenische Patriarch Gregorius V auf Befehl des Sultans des Osmanischen Reiches am Eingang zum Patriachenpalast erhängt. Bis heute ist die Tür zu diesem deshalb versiegelt. Erstmal gar keine Gute Nachricht. Was war passiert? Die Griechen, seit der Einnahme Konstantinopels im 15 Jahrhundert Teil des Osmanischen Reiches, hatten einen Unabhänigkeitskrieg gegen die Osmanischen Besatzer begonnen. Auch wenn dieser aussichtlos erschien. Am Anfang mussten die Griechen viele herbe Niederlagen hinnehmen. Gregorius, sich der Gefahr bewusst und heimlich mit den Verschwörern in Kontakt stehend, blieb in Konstantinopel. Obwohl selbst seine engsten Freunde ihm davon abrieten. Er feierte gemeinsam mit seinen Glaubensgeschwistern das Osterfest. Im Anschluss wurde er noch beim Verlassen der Kirche festgesetzt. Kurz darauf musste er sterben. Aber der Aufstand der Griechen gewann dadurch erst richtig an Fahrt und 9 Jahre später gelingt der kaum noch für möglich gehaltene Erfolg. Griechenland wird unabhängig. Heute verehrt die östliche Kirche Γεώργιος Αγγελόπουλος als Märtyrer und Heiligen. Er gilt als Vorbild im Glauben. Das kann dann doch eine gute Nachricht sein: Wenn man zu seinen Überzeugungen steht, dann kann selbst das unmögliche wahr werden. Man muss ja deswegen nicht immer den Weg des Märtyrers gehen.

Vkar Patrick Keipert, Landau


 

Tag 403: Mittwoch, 21. April 2021

Schätze

Tag 403 Schätze

Als Kind habe ich manchmal davon geträumt, ihn zu finden. Den versteckten Schatz im Wald, im Garten oder selbst auf dem Dachboden. In Annweiler wird gerade das Pfarrhaus renoviert. Einige Schätze der letzten Jahrzehnte habe ich entdeckt im Keller, im Schuppen, diesen hier auf dem Dachboden:

Liebe Freunde der pfälzischen Kirchenmusik,
das Jahr 1975 liegt vor uns wie eine weiße, unberührte Schneelandschaft. Wir wissen nicht, wer oder was zuerst seine Spuren in den Schnee drücken wird. Wir wissen nicht, was kommt. Überall wird von Krisen geredet oder gemunkelt. Auch in der Kirche soll es kriseln.

Krisen gab es immer wieder. Der Autor der letzten Zeilen hatte die Kirchenmusik im Blick. Aus heutiger Sicht mag die Krise der Kirchenmusik marginal erscheinen, damals jedoch:

Muß gute Kirchenmusik teuer sein? Ich meine, nein. Immer wieder hat die Geschichte der Kirchenmusik gezeigt, daß in schwierigen Zeiten besonders intensiv musiziert wurde. Die „Kleinen Geistlichen Konzerte“ von Schütz zum Beispiel sind ein Produkt der Not; vollendete Meisterwerke für nur eine einzige Stimme und ein Begleitinstrument, sind sie aus der Welt der heutigen evangelischen Kirchenmusik nicht mehr wegzudenken … Lassen wir uns nicht irre machen! … Wir wissen, daß „jeder Tag mit allem was er bringen mag“ … aus Gottes Händen kommt“.

Spannend für mich zu lesen, wie er versucht hat, den Organst*innen der Landeskirche Mut zu machen. Besonders spannend im Vergleich zu heute, zum letzten Jahr. Spannend und auch hoffnungsvoll.

In diesem Sinne möchte ich Ihnen […] viel Freude wünschen und vor allem Gottes Segen für jeden Ton!
Heinz Markus Göttsche, Landeskirchenmusikdirektor

Pfarrer Thomas Himjak-Lang, Annweiler


 

Tag 402: Dienstag, 20. April 2021

Nachlese 

402 nachleseEinmal im Jahr erhält jede/r von uns quasi ganz automatisch Gut-Tu-Nachrichten: Handgeschrieben, via Email, whatsapp oder Signal, am Telefon und persönlich, live und in Farbe treffen sie ein. Ein bunter Strauß guter Wünsche kommt da zusammen. Schön! Gern teile ich sie heute mit Ihnen, quasi als Nachlese zu gestern. Es sind letztlich Mehr als drei Wünsche von Jörg Zink: 

Ich wünsche dir nicht ein Leben ohne Entbehrung, ohne Schmerz, ohne Störung. Was solltest du tun mit einem solchen Leben? Ich wünsche dir aber, dass du bewahrt sein mögest an Leib und Seele. Dass dich einer trägt und schützt durch alles, was geschieht. 

Dass du unberührt bleiben mögest von Trauer, unberührt vom Schicksal anderer Menschen, das wünsche ich dir nicht. So unbedacht soll man nicht wünschen. Ich wünsche dir aber, dass dich immer wieder Gottes Gnade berührt. 

Was ich dir wünsche? Nicht, dass du so groß wirst wie ein Baum, so stark oder so reglos. Aber dass du hin und wieder nach oben schaust, wo die Kronen sind und der Himmel. 

Dass du Freunde findest, wünsche ich dir. Nicht nur hilfreiche, auch störende. Solche, die du brauchst, und solche, die dich brauchen. 

Ich wünsche dir nicht ein Leben ohne Herausforderung. Aber ich wünsche dir, dass deine Arbeit nicht ins Leere geht. Ich wünsche dir die Kraft der Hände und des Herzens. Und ich wünsche dir, mir einem alten Wort wünsche ich es, dem Wort Segen: Dass hinter deinem Pflug Frucht wächst, Brot für Leib und Seele, und dass zwischen den Halmen die Blumen nicht fehlen. 

Pfarrerin Eva Weißmann, Godramstein


 

Tag 401: Montag, 19. April 2021

Die Tulpe
(Josef Guggenmos)

401 tulpeDunkel
war alles und Nacht.
In der Erde tief
die Zwiebel schlief,
die braune.

Was für ein Gemunkel,
was für ein Geraune,
dachte die Zwiebel,
plötzlich erwacht.
Was singen die Vögel da droben
und jauchzen und toben?

Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
und sich geblickt
mit einem hübschen Tulpengesicht.

Da hat ihr der Frühling entgegen gelacht.

In Text und Bild gefunden von Pfarrer Martin Anefeld, Nußdorf


 

Tag 400: Sonntag, 18. April 2021

Klosterübungen im Smartphone Format

Tag 400 Klosterübung

Es kommt wieder eine weitere APP Empfehlung von mir. Denn erst neulich bin ich auf die App XRCS (Exercise) gestoßen. Sie soll uns helfen „mitten im Alltag Gottes Gegenwart zu entdecken“. Gefunden habe ich dort täglich wiederkehrende Impulse als Audio-Meditation in unterschiedlichen Längen (5-12 und 20 Minuten). Auch kleine Impulse in klassischer Textform sind dort vertreten. Ich bin noch nicht ganz drin, aber, was ich entdeckt habe, das gefällt mir sehr!

Bei XRCS habe ich zum Beispiel diesen Text mit dem Titel „Service“ von David Wegner. Da heute Hirtensonntag ist und ich den ersten Vers von Psalm 23 im Ohr habe, „Der Herr ist mein Hirte, mir wird es nichts mangeln.“, finde ich ihn für uns sehr passend!

„Service. Wir sind mitten in einer Pandemie, ein Ereignis, das in der Größenordnung nicht oft vorkommt. Deshalb gibt es kein Rezept, keine Handlungsanweisung. Auch wenn wir das wahrscheinlich alle gern hätten.

Manchmal, wenn ich kopflos irgendwelche aktionistische Maßnahmen ergreifen will, schaue ich meine Kinder an und sehe, dass sie sich überhaupt keine planerischen Sorgen machen. Sie haben vollstes Vertrauen in ihre (manchmal ziemlich planlosen) Eltern.

Diese Haltung nehme ich mir als Vorbild und will von meinem himmlischen Vater (der nebenbei gemerkt, alles andere als planlos ist) die Weitsicht erwarten, die ich brauche. Amen.“

So wünsche ich Ihnen heute am Hirtensonntag, dass Sie mit oder ohne APP diesen wundervollen „Service“ Gottes mitten im Alltag für sich beanspruchen und mit dem Psalmist beten können: „ich fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“
Hier hinterlasse ich Ihnen den Link zur APP:
XRCS - Workout für die Seele

Vikarin Almendra García de Reuter, Landau-Godramstein

 

 


 

Tag 399:Samstag, 17. April 2021

Ein echter Luthermoment

Tag 399 Luthermoment

Das ist sein Moment… Heute vor genau 500 Jahren steht Martin Luther vor versammelter Mannschaft, vor dem Kaiser und den Fürsten beim Reichstag in Worms. Er soll das, was er angezettelt hat mit seinen 95 Thesen, widerrufen. Ansonsten war‘s das mit seiner Karriere…

Und Martin Luther ist sich unsicher, wahrscheinlich rutscht ihm das Herz in die Hose. Er weiß nicht, was er sagen soll. Er ist kleinlaut, zögernd, zaghaft. Darum sagt er: Moment bitte, ich will erstmal eine Nacht drüber schlafen. In dem Moment glauben alle, er knickt ein; vielleicht haut er auch ab?

Am nächsten Morgen steht er auf, steht dann vor dem Kaiser und sagt (zusammengefasst): „Ich steh dazu! Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir.“
Was ist bloß in dieser Nacht passiert? Woher nimmt Martin in diesem Moment den Mut? Diese Nacht, die Zeit dazwischen, das ist der echte Luthermoment: Luther, der mit sich ringt, der sich fragt: Ist das richtig, was ich tue?

Martin Luther hat in dieser Nacht auf sein Herz gehört – oder nennt es Gewissen, oder Intuition; Luther würde sagen: Er hat auf Gott gehört. Was, wenn das alle machen? Wenn ihr auch so oft es geht auf euer Herz hört, wie Luther, und sagt: Ich steh dazu! Was wenn? Was ist euer Luthermoment?!

Pfarrer Stefan Mendling, Annweiler

 

 


 

Tag 398: Freitag, 16. April 2021

Wer bin ich?

Tag 398 wer bin ich

In der Verbandsgemeinde habe ich eine Bürgernummer. Für das Finanzamt bin ich von der Steuernummer zur persönlichen Identifikationsnummer mutiert (TIN, also Tax Identification Number oder auch Steuer-ID). Mein Arbeitgeber hat mir eine Personalnummer zugewiesen. Die Banken speichern mich mit mehreren Nummern ab, so wichtig bin ich schon: Da wären die Kontonummern, die Net-Key-Nummern und die PIN – Nummern. Ohne die komme ich an keinen Cent. Wo ich als Kunde auftauche, werde ich zur Nummer. Und wo ich etwas online bestellen will (oder bestellen muss), benötige ich meine Kundennummer und meine Personal Identification Number. Diese PIN machen mich noch wahnsinnig. Ich war zu Beginn meines Lebens als PC-User noch überrascht von den Zahlen und Codes, die ich selbst erfinden sollte. Mittlerweile wird mein Ordner, in dem alle Zugangsdaten notiert sind, immer dicker. Und bei dem ganzen Zahlenchaos wird nicht nur mein Ordner dicker!

Wer bin ich?
Einer, der gern mal in der Bibel schmökert. Und dort lese ich diesen wunderbaren Vers aus dem Jesajabuch (43,1):
„Fürchte Dich nicht, ich habe Dich erlöst. Ich habe Die bei deinem Namen gerufen, Du bist mein“.
Mehr als ein seit vielen Jahrzehnten beliebter Taufspruch. Eine in Worte gefasste Therapie. Gott kennt mich mit NAMEN. Für ihn bin ich keine Nummer. Mittlerweile eine echte Alternative.

Pfarrer Lothar Schwarz, Rhodt